Calciumüberschuss (Hypercalcämie) – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

  • Korrektur der Hypercalcämie

Therapieempfehlungen

  • Behandlung der zugrundeliegenden Ursache (z. B. primärer Hyperparathyreoidismus)
  • Bei symptomatischer Hypercalcämie (meist über 11,5 mg/dl (≥ 2,9 mmol/l)) sollte der Calciumspiegel im Blut gesenkt werden [Akutmaßnahmen]:
    • Volumenexpansion mit isotoner Kochsalzlösung
    • Subkutane oder intramuskuläre Calcitonin-Gabe (4-8 IU/kg KG): dieses steigert die renal Calciumselimination und hemmt die Knochenresorption; dieses sollte mit Steroiden (Glucocorticoide) kombiniert werden.
  • Anschließend erfolgt eine Ursachensuche mit kausaler Therapie

Nachfolgende Therapieempfehlungen gelten bei einer Tumorhypercalcämie sowie auch bei einer hypercalcämischen Krise (Gesamtserum-Calcium von > 3,5 mmol/l):

  • Rehydratation: d. h. Volumensubstitution von 2-4-6 l NaCl 0,9 %/ 24 h i. v. (+ Kalium) 
  • Verstärkung der Calciumausscheidung
    • Trinkmenge 2-3 l
    • 2-3 l NaCl 0,9 % i. v.
    • 40-80 mg Furosemid i. v.
  • Antiresorptive Therapie (= Hemmung der Knochenresorption)
    • Bisphosphonate i. v. zur Verlangsamung der Osteolysen (Knochenabbau)
    • ggf. Denosumab (Antikörper gegen RANKL): Unterdrückung der Reifung, Aktivierung und Funktion von Osteoklasten; wird nicht über die Nieren ausgeschieden
    • Calcitonin (Parathormon-Antagonist): Hemmung der Calciumfreisetzung aus den Knochen durch Reduzierung der Aktivität der Osteoklasten (Riesenzellen, die für den Knochenabbau und die Demineralisierung verantwortlich sind) 
      Beachte: Calcitonin kann nur zur Überbrückung der Zeit bis zum Einsetzen der Wirkung der anderen resorptionstiefen Therapien verwendet werden, da der Effekt eher gering ist und sich innerhalb von 48 bis 96 Stunden verliert.
  • Hemmung der Calciumresorption
    • Prednisolon i. v./oral
    • Calciumarme Kost
  • Elimination des Calciums aus der Zirkulation
    • Dialyse gegen calciumarmes Dialysat (Ausnahmefall! Bei lebensbedrohlichen Zuständen sowie schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen)

Cave! Bei Patienten, die Digitalisglykoside einnehmen, ist Vorsicht geboten. Die Toxizität von Digitalisglykosiden wird durch eine Hypercalcämie gesteigert.