Respiratorische – atmungsbedingte – Alkalose – Einleitung

Die respiratorische Alkalose wird durch eine Störung der Atmung verursacht, bei der es zu einer übermäßigen Abatmung von Kohlendioxid (CO2) kommt, was zu einem Anstieg des pH-Wertes des Blutes über den Normalwert führt [1-3].

Synonyme und ICD-10: Alkalose, respiratorisch; ICD-10-GM E87.3: Alkalose: respiratorisch)

Pathophysiologie

Unter normalen Umständen wird bei jedem Atemzug ausreichend Sauerstoff eingeatmet und Kohlendioxid ausgeatmet, wodurch ein Gleichgewicht im Körper gewährleistet ist. Bei einer respiratorischen (atmungsbedingten) Alkalose liegt eine Hyperventilation vor, die zu einer vermehrten Abatmung von CO2 führt. Dies reduziert die Konzentration von CO2 im Blut, was zu einer Erhöhung des pH-Wertes (Alkalose) führt.

Charakteristische Laborbefunde 

  • Erhöhter pH-Wert: Der pH-Wert ist über 7,45 erhöht, was auf eine Alkalose hinweist.
  • Verminderter arterieller Kohlendioxidpartialdruck (pCO2): Der pCO2-Wert ist erniedrigt, typischerweise unter 35 mmHg, was auf eine Hyperventilation hinweist.
  • Verminderter Bikarbonatspiegel (HCO3-): Bei einer chronischen respiratorischen Alkalose kann der Bikarbonatspiegel (HCO3-) durch renale Kompensation vermindert sein.
  • Verminderter Basenüberschuss (BE): Der Basenüberschuss kann negativ sein, was auf eine renale Kompensation hinweist, um den erhöhten pH-Wert zu korrigieren.
  • Normale oder erhöhte Sauerstoffsättigung: Die Sauerstoffsättigung ist in der Regel normal oder erhöht, abhängig von der Ursache der Hyperventilation. 

Ursachen

Die häufigsten Ursachen für die respiratorische Alkalose sind:

  • Psychogene Hyperventilation: Ausgelöst durch Angstzustände, Stress oder Panikattacken.
  • Schwere Lungenerkrankungen: Wie Pneumonie (Lungenentzündung), Asthma bronchiale oder Lungenembolie (Verlegung bzw. Verengung einer Lungenarterie oder einer Bronchialarterie durch einen Embolus).
  • Fieber: Führt zu einer erhöhten Atemfrequenz.
  • Höhenaufenthalt: Reduzierter Sauerstoffpartialdruck in großer Höhe führt zu Hyperventilation (vertiefte und/oder beschleunigte Atmung).
  • Medikamente: Einige Arzneimittel können die Atemfrequenz erhöhen.
  • Lebererkrankungen: Schwere Lebererkrankungen können eine Hyperventilation verursachen.

Epidemiologie

Geschlechterverhältnis: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Häufigkeitsgipfel:
Psychogene Hyperventilation tritt vorwiegend bei Frauen in der Pubertät bis ins junge Erwachsenenalter auf.

Verlauf und Prognose

Verlauf

  • Akute respiratorische Alkalose: Tritt plötzlich auf und ist oft mit akuten Angstzuständen oder Panikattacken verbunden. Symptome umfassen Schwindel, Benommenheit, periorale Parästhesien (Missempfindungen um den Mund) und Muskelkrämpfe.
  • Chronische respiratorische Alkalose: Kann bei chronischen Lungenerkrankungen oder Lebererkrankungen auftreten und zu längerfristigen Veränderungen im Säure-Basen-Haushalt führen.

Symptome und Beschwerden

  • Allgemeine Symptome: Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen.
  • Spezifische Symptome: Periorale Parästhesien, Muskelkrämpfe, Tetanie (Übererregbarkeit von Nerven und Muskeln), Palpitationen (Herzklopfen), Dyspnoe (Atemnot).

Prognose

  • Therapie: Die Prognose hängt von der raschen und effektiven Behandlung der Grunderkrankung ab.
    • Akute Fälle: Bei psychogener Hyperventilation ist eine Rückatmung der ausgeatmeten Luft, z. B. mittels einer Tüte, eine sofortige und effektive Maßnahme.
    • Chronische Fälle: Erfordern eine umfassende Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung, wie z. B. Lungenerkrankungen oder Lebererkrankungen.
  • Kompensation: Der Körper versucht, die Alkalose durch eine reduzierte Nierenfunktion auszugleichen, was jedoch bei längerfristigen Fällen zu Elektrolytstörungen führen kann.

Literatur

  1. Biesalski HK, Bischoff SC, Pirlich M & Weimann A (Hrsg.) (2017). Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer (5. Aufl.). Thieme Verlag
  2. Brandes R, Lang F & Schmidt RF (Hrsg.) (2019). Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie (32. Auflage). Springer Verlag
  3. Föller M, Stangl G (Hrsg.) (2021). Ernährung – Physiologische und Praktische Grundlagen. Springer Verlag