Morbus Crohn – Prävention
Zur Prävention von Morbus Crohn muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren geachtet werden.
Verhaltensbedingte Risikofaktoren
- Ernährung
- Erhöhter Gebrauch von raffinierten Kohlenhydraten – Weißer Zucker und Weißmehlprodukte fördern Entzündungsprozesse.
- Geringer Ballaststoffverzehr – Reduziert die Diversität der Darmflora und erhöht das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
- Hoher Konsum chemisch aufbereiteter Speisefette – Fördert entzündliche Reaktionen im Darm.
- Mikronährstoffmangel – Ein Mangel an essenziellen Vitalstoffen wie Zink, Vitamin D und Eisen ist mit einem erhöhten Risiko für entzündliche Darmerkrankungen assoziiert.
- Genussmittelkonsum
- Tabak (Rauchen) – Wesentlicher Risikofaktor für die Manifestation (Raucher haben ein 2-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko) und für komplizierte Verläufe. Kinder von rauchenden Müttern haben ebenfalls ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko.
- Psycho-soziale Situation
- Konfliktsituationen und Stress – Stress kann zum Auftreten erneuter Schübe führen [1].
- Hygienesituation
- Mangelnde Konfrontation mit Parasiten und mikrobiellen Toxinen – Weniger Kontakt mit Stalltieren oder ihren Ausscheidungsprodukten in der frühen Kindheit erhöht das Risiko einer Fehlprogrammierung des Immunsystems.
Medikamente
- Wiederholter und früher Einsatz von Antibiotika, insbesondere solchen mit einem breiten Wirkungsspektrum [6]
- Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR)
- TNF-Blocker (Biologika, die den Tumornekrosefaktor alpha neutralisieren): Etanercept: adjustierte Hazard Ratio von 2,0 (95-%-Konfidenzintervall 1,4 bis 2,8); für Infliximab und Adalimumab war kein erhöhtes Risiko nachweisbar [5].
Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Umweltfaktoren – Einfluss von Bakterien, Viren sowie Toxine, die zu Infektionen sowie Entzündungen der Darmschleimhaut führen [2]
- Mikroplastik – erkrankte Personen hatten 41,8 Mikroplastikteilchen pro Gramm Stuhltrockenmasse. Das war signifikant (p< 0,01) mehr als bei der Kontrollgruppe mit 28,0 Teilchen pro Gramm Trockenmasse; je mehr Mikroplastikteilchen gefunden wurden, desto schwerer war zudem die Erkrankung.
Am häufigsten wurde Polyethylenterephthalat (PET) nachgewiesen (34 % der Fälle bei Colitis ulcerosa- bzw. Morbus Crohn-Patienten; Kontrolle 22 Prozent); Verhaltensweisen, die signifikant häufiger zu Erkrankungen führten, waren: Trinken von Wasser aus Flaschen und konsumieren von Essen zum Mitnehmen [7].
Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)
- Genetische Faktoren:
- Genetische Risikoreduktion abhängig von Genpolymorphismen:
- Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
- Gen: IL23R (kodiert ein Zytokin-Rezeptor an einer Subpopulation (Untergruppe) Effektor-T-Zellen)
- SNP: rs11209026 im Gen IL23R
- Allel-Konstellation: AG (0,14-fach)
- Allel-Konstellation: AA (< 0,14-fach)
- Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
- Genetische Risikoreduktion abhängig von Genpolymorphismen:
- Aufwachsen auf dem Lande (Kanada; insb. Provinzen, in denen die Landwirtschaft überwiegt; Erkrankungsrisiko um 10 % niedriger) [4]
- Ernährung
- Ballaststoffreiche Ernährung – Eine hohe Zufuhr von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten fördert die Darmgesundheit und unterstützt die Diversität der Darmflora.
- Probiotika – Der regelmäßige Konsum von probiotischen Lebensmitteln (z. B. Joghurt, Kefir) unterstützt die Balance der Darmflora.
- Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure) – Wirken entzündungshemmend und können die Krankheitsaktivität reduzieren.
- Genussmittelkonsum
- Verzicht auf Rauchen – Die Abstinenz von Tabak reduziert das Risiko für die Manifestation und die Verschlechterung von Morbus Crohn.
- Alkoholkonsum einschränken – Alkohol fördert entzündliche Prozesse und beeinträchtigt die Darmbarriere.
- Körperliche Aktivität
- Regelmäßige Bewegung – Moderate körperliche Aktivität (z. B. Ausdauersport) wirkt immunmodulierend und reduziert das Risiko für entzündliche Darmerkrankungen.
- Hygienische Maßnahmen
- Förderung eines natürlichen Mikrobioms – Kontakt mit natürlicher Umwelt (z. B. ländliche Umgebung, Tiere) kann das Immunsystem stärken und die Fehlprogrammierung des Immunsystems reduzieren.
- Stillen reduziert das Risiko der Wahrscheinlichkeit, an Morbus Crohn zu erkranken um 90 % (adjustierte Odds-Ratio, aOR: 0,10 (95 %-Konfidenzintervall zwischen 0,04 und 0,30), wenn mindestens 12 Monate lang gestellt wurde [3].
- „Low Risk“-Kriterien: Vermeidung von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID), sportliche Aktivität sowie eine hohe Zufuhr von Obst, Gemüse und Ballaststoffen [8].
Sekundärprävention
Die Sekundärprävention richtet sich an Patienten mit ersten Symptomen, um eine Verschlechterung zu verhindern und gezielt zu behandeln.
- Früherkennung und Diagnostik
- Endoskopie – Durchführung einer Ileokoloskopie mit Biopsien zur Sicherung der Diagnose und zur Beurteilung des Entzündungsgrades.
- Calprotectin im Stuhl – Bestimmung von Calprotectin als Marker für intestinale Entzündungen.
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Dünndarms – Darstellung von Stenosen, Fisteln und entzündlichen Prozessen.
- Lebensstiländerungen
- Ernährung – Förderung einer antientzündlichen Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffen und Probiotika.
- Genussmittelkonsum – Verzicht auf Rauchen und Alkohol.
- Bewegungstherapie – Moderates Ausdauertraining zur Verbesserung der Darmmotilität und Reduktion von Stress.
- Therapieansätze
- Medikamentöse Therapie
- Aminosalicylate (z. B. Mesalazin) zur Kontrolle der Krankheitsaktivität.
- Kortikosteroide bei akuten Schüben.
- Immunsuppressiva (z. B. Azathioprin, Methotrexat) bei therapierefraktärem Verlauf.
- Biologika (z. B. Infliximab, Adalimumab) bei therapierefraktären Verläufen und komplexen Fisteln.
- Ernährungstherapie
- Einsatz von Elementardiäten und parenteraler Ernährung bei akuten Krankheitsschüben.
- Verzicht auf Lebensmittel mit Emulgatoren: Nahrungsmittel mit einem geringen Gehalt an Emulgatoren haben die Darmentzündung eines Morbus Crohn innerhalb weniger Wochen signifikant gelindert [9].
- Medikamentöse Therapie
- Psychosoziale Unterstützung
- Psychotherapie – Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung und Stressmanagement.
- Selbsthilfegruppen – Austausch mit anderen Betroffenen zur Krankheitsverarbeitung.
- Stressmanagement – Einsatz von Entspannungstechniken (z. B. progressive Muskelentspannung, Achtsamkeit).
Tertiärprävention
Die Tertiärprävention zielt darauf ab, wiederkehrende Beschwerden und mögliche Komplikationen langfristig zu minimieren.
- Langzeittherapie
- Dauerhafte Immunsuppression – Einsatz von Azathioprin oder Methotrexat zur Erhaltung der Remission.
- Langzeitbehandlung mit Biologika – Kontinuierliche Therapie mit TNF-Blockern (z. B. Infliximab) zur Reduktion der Krankheitsaktivität.
- Ernährungstherapie – Kontinuierliche Anpassung der Ernährung zur Vermeidung von Mangelerscheinungen (z. B. Eisen, Zink, Vitamin D).
- Rehabilitation
- Physiotherapie – Förderung der körperlichen Fitness zur Verbesserung der Lebensqualität.
- Ernährungsberatung – Langfristige Anpassung der Ernährung an die individuellen Bedürfnisse des Patienten.
- Schutzmaßnahmen
- Darmchirurgische Eingriffe – Bei therapierefraktärem Verlauf (z. B. Resektion bei Stenosen).
- Stoma-Versorgung – Anlage eines Ileostomas bei komplizierten Fisteln und perianalen Abszessen.
- Psychosoziale Unterstützung
- Langzeitbetreuung durch Psychologen – Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung und Stressreduktion.
- Soziale Unterstützung – Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen und sozialen Einrichtungen.
- Reintegration ins Arbeitsleben – Unterstützung durch berufsfördernde Maßnahmen und sozialmedizinische Beratung.
Literatur
- Biesalski HK, Köhrle J, Schümann K: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Kapitel 378-391, Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002
- Schmidt E, Schmidt N: Leitfaden Mikronährstoffe. Kapitel 1, 48-86 (6.1.), 2, 96-228 (6.2.), 230-312 (6.3.), 318-339 (6.4.), 5, 500-512 (6.5.), 7, 640-649 (6.6.)
Urban & Fischer Verlag; München, Februar 2004 - Ng SC et al.: Environmental risk factors in inflammatory bowel disease: a population-based case-control study in Asia-Pacific. Gut 2015; 64: 1063-1071
- Benchimol EI et al.: Rural and Urban Residence During Early Life is Associated with a Lower Risk of Infl ammatory Bowel Disease: A Population-Based Inception and Birth Cohort Study. Am J Gastroenterol advance online publication, 25 July 2017; doi: 10.1038/ajg.2017.208
- Korzenik J et al.: Increased risk of developing Crohn’s disease or ulcerative colitis in 17 018 patients while under treatment with anti‐TNFα agents, particularly etanercept, for autoimmune diseases other than inflammatory bowel disease. Aliment Pharmacol Ther. 2019 Jul 2. doi: 10.1111/apt.15370.
- Nguyen LH et al.: Antibiotic use and the development of inflammatory bowel disease: a national case-control study in Sweden. Lancet Gastroenterology & Hepatology August 17, 2020 doi:https://doi.org/10.1016/S2468-1253(20)30267-3
- Yan Z et al.: Analysis of Microplastics in Human Feces Reveals a Correlation between Fecal Microplastics and Inflammatory Bowel Disease Status Environmental Science & Technology 2022 56 (1), 414-421 doi: 10.1021/acs.est.1c03924
- Lopes EW et al.: Lifestyle factors for the prevention of inflammatory bowel disease Gut Published Online First: 06 December 2022. doi: 10.1136/gutjnl-2022-328174
- Bancil A et al.: DOP097 Emulsifier restriction is an effective therapy for active Crohn’s disease: the ADDapt trial - a multi-centre, randomised, double-blind, placebo-controlled, re-supplementation trial in 154 patients Journal of Crohn's and Colitis 2025; i262, https:19(1):i262 doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjae190.0136