Darminfarkt (Mesenterialinfarkt) – Einleitung

Die akute mesenteriale Ischämie (AMI), auch Mesenterialinfarkt oder umgangssprachlich Darminfarkt genannt, bezeichnet einen akuten Verschluss der mesenterialen arteriellen Blutgefäße, die den Darm versorgen. Dieser Verschluss führt zu einer signifikanten Reduktion der Blutversorgung (Ischämie) des Darmgewebes, die unbehandelt zum Absterben des betroffenen Darmabschnitts (Infarkt) führt. Die AMI stellt das Endstadium einer abdominellen arteriellen Verschlusskrankheit dar und ist ein medizinischer Notfall, der sofortiges Handeln erfordert, um eine hohe Letalität zu vermeiden.

Synonyme und ICD-10: Mesenterialarterienverschluss, mesenteriale Verschlusskrankheit, Angina abdominalis; Thesaurussynonyma: akute Darmgefäßkrankheit; akute Darmischämie; akute Darmnekrose; akute Dünndarmischämie; akute fulminante ischämische Kolitis; akute Intestinumnekrose; akute Ischämie des Intestinums; akute Ischämie des Mesenterium; akute ischämische Enteritis; akute ischämische Enterokolitis; akute ischämische Kolitis; akute mesenteriale Ischämie; akuter Darminfarkt; akuter Intestinuminfarkt; Angina abdominalis; arterielle Mesenterialgefäßthrombose; arterieller Mesenterialinfarkt; Darmarterienembolie mit Gangrän; Darmarterienthrombose; Darmbrand; Darmgangrän; Darmgefäßinfarkt; Darminfarkt; Darmnekrose; Darmthrombose mit Gangrän; Darmvenenembolie mit Gangrän; Darmwandgangrän; Darmwandnekrose; Dickdarmnekrose; Dünndarmgangrän; Dünndarminfarkt; Dünndarmnekrose; Embolie der Arteria mesenterica; Embolie der Arteria mesenterica superior; Embolie eines Mesenterialgefäßes; Enterocolitis fulminans; fulminante ischämische Enterokolitis; Hämorrhagische Darmnekrose; Hämorrhagische Intestinumnekrose; Ileumnekrose; Infarkt eines Mesenterialgefäßes; Intestinale Gangrän; Intestinalthrombose mit Gangrän; Intestinumnekrose; Kolongangrän; Koloninfarkt; Kolonnekrose; massive hämorrhagische Gangrän des Intestinums; Mesenterialarterienembolie; Mesenterialarterienembolie mit Gangrän; Mesenterialarterienthrombose; Mesenterialarterienverschluss; Mesenterialembolie; mesenteriale Verschlusskrankheit; Mesenterialgangrän; Mesenterialgefäßverschluss; Mesenterialinfarkt; Mesenterialischämie; Mesenterialnekrose; Mesenterialthrombose; Mesenterialvenenembolie; Mesenterialvenenembolie mit Gangrän; Mesenterialvenenthrombose; Omentalthrombose mit Gangrän; Omentuminfarkt; Omentumnekrose; Peritoneumnekrose; Subakute ischämische Kolitis; Thrombose mesenterialer Arterien mit Gangrän; Verschluss der Arteria mesenterica; ICD-10-GM K55.0: Akute Gefäßkrankheiten des Darmes

Formen der Mesenterialischämie

  • Arteriell okklusive Ischämie: Verschluss einer Arterie (in 85 % aller Fälle ist die Arteria mesenterica superior (AMS) betroffen) durch einen Embolus (arterielle Embolie) oder durch Thrombosierung
  • Arteriell nicht-okklusive Ischämie (NOD; Non – Occlusive – Disease): Ischämie (Minderversorgung) durch Herzkreislaufsstörungen (z. B. durch Abfall des Herzzeitvolumens, HZV) mit reaktiven Gefäßspasmen im mesenterialen Stromgebiet (Bereich der darmversorgenden Gefäße)
  • Venös: Thrombose der mesentericoportalen Achse (einer den Darm versorgenden Vene)

Notfall: Die Mesenterialischämie stellt einen vaskulären (gefäßbedingten) Notfall dar und muss sofort therapiert werden. Die Ischämietoleranz des Darms beträgt nur 6 Stunden!

Epidemiologie

Geschlechterverhältnis: Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen.

Häufigkeitsgipfel: Das Durchschnittsalter beträgt ca. 70 Jahre.

Bei circa einem Prozent der Patienten mit akutem Abdomen liegt eine akute Mesenterialischämie vor. Bei Personen > 70 Jahre liegt diese Zahl bei bis zu zehn Prozent.

Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) beträgt ca. 10 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr.

Verlauf und Prognose

Verlauf

Verlauf und Prognose sind abhängig von der Schnelligkeit der Diagnosestellung (idealerweise innerhalb von 4-6 Stunden nach Symptombeginn) und einer adäquaten Therapie. Die periphere arterielle mesenteriale Ischämie (AMI) ist im Vergleich zur zentralen Okklusion (Verschluss) mit einer geringeren Letalität assoziiert. Wegen der uncharakteristischen klinischen Symptomatik hat die nicht-okklusive Form (NOD) der AMI eine schlechtere Prognose als die okklusive Form.

Prognose

Die Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten) beträgt zwischen 50 und 70 %. Bei rascher Diagnose und Therapie kann die Mortalität gesenkt werden, jedoch bleibt sie aufgrund der schweren Ischämie und der damit verbundenen Komplikationen hoch.

Leitlinien

  1. Björck M, Koelemay M et al.: Editor's Choice - Management of the Diseases of Mesenteric Arteries and Veins: Clinical Practice Guidelines of the European Society of Vascular Surgery (ESVS). Eur J Vasc Endovasc Surg . 2017 Apr;53(4):460-510. doi: 10.1016/j.ejvs.2017.01.010.
  2. Tilsed JVT, Casamassima A et al.: ESTES guidelines: acute mesenteric ischaemia. Eur J Trauma Emerg Surg . 2016 Apr;42(2):253-70. doi: 10.1007/s00068-016-0634-0.
  3. Bala M, Kashuk J, Moore EE et al.: Acute mesenteric ischemia: guidelines of the world society of emergency surgery. World J Emerg Surg 2017 12:38. doi: 10.1186/s13017-017-0150,