Tinnitus – Prävention

Zur Prävention des Tinnitus (Ohrgeräusche) muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren geachtet werden.

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

  • Genussmittelkonsum
    • Hoher Alkoholkonsum – Kann die Durchblutung im Innenohr beeinträchtigen und Tinnitus-Symptome verstärken.
    • Nikotin (Tabak) – Führt zu einer Verengung der Gefäße im Innenohr und kann die Entstehung oder Verstärkung von Tinnitus begünstigen.
  • Drogenkonsum
    • Stimulanzien wie Amphetamine oder Kokain – Können die zentrale Hörverarbeitung beeinträchtigen und Tinnitus-Symptome hervorrufen.
  • Körperliche Aktivität
    • Bewegungsmangel – Ein sedentärer Lebensstil, d. h. ein Verhalten mit geringem Energieverbrauch, erhöht das Risiko für Gefäßerkrankungen, die eine Rolle bei Tinnitus spielen können.
    • Übermäßige körperliche Belastung – Kann durch vermehrte Druckschwankungen im Innenohr Tinnitus begünstigen.
  • Psycho-soziale Situation
    • Chronischer Stress (Dauerstress) – Langanhaltender Stress ist ein häufig genannter Auslöser für Tinnitus, da er die zentrale Verarbeitung von Geräuschen beeinflussen kann.
    • Psychische Belastungen – Depressionen und Angststörungen können die Wahrnehmung von Tinnitus verstärken.
  • Schlafqualität
    • Schlafmangel oder schlechte Schlafqualität – Verstärkt die Wahrnehmung von Tinnitus durch eine erhöhte Aktivität des Gehirns in Ruhephasen.

Weitere Risikofaktoren

  • Chronische Lärmbelastung inkl. Freizeitlärm, z. B. tragbare Musik-Player (→ Hörminderung)
  • Verminderte Lärmintoleranz in jungen Jahren [2]

Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)

  • Ernährung
    • Ausreichende Versorgung mit Magnesium und Zink – Studien zeigen, dass ein Defizit dieser Mikronährstoffe mit einer erhöhten Prävalenz von Tinnitus assoziiert ist.
  • Koffeinkonsum
    • Ein moderater bis hoher Koffeinkonsum (z. B. 300-600 mg täglich) kann das Risiko für die Entwicklung von Tinnitus um ca. 15 % reduzieren.
  • Lärmschutz
    • Vermeidung von Lärmbelastung – Nutzung von Gehörschutz bei hoher Lärmbelastung (z. B. Konzerte, Baustellen).
    • Reduktion von Freizeitlärm – Begrenzung der Lautstärke bei tragbaren Musik-Playern und in Kopfhörern.
  • Stressmanagement
    • Entspannungstechniken – Maßnahmen wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation können Stress abbauen und die Tinnitus-Wahrnehmung reduzieren.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
    • Moderate Bewegung fördert die Durchblutung und unterstützt die allgemeine Gesundheit des Innenohrs.

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention zielt darauf ab, Tinnitus frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln, um eine Verschlechterung zu vermeiden.

  • Früherkennung und Diagnostik
    • Audiometrie (Hörtest) – Zur frühzeitigen Erkennung von Hörverlust oder Veränderungen im Innenohr.
    • HNO-ärztliche Abklärung – Einschluss von möglichen organischen Ursachen wie Otosklerose oder Infektionen.
  • Stressmanagement
    • Psychotherapie – Verhaltenstherapeutische Ansätze zur Reduktion von Stress und zur Verbesserung des Umgangs mit Tinnitus.
    • Biofeedback – Zur bewussten Kontrolle körperlicher Reaktionen auf Stress.
  • Medikamentöse Therapie
    • Magnesium und Zink – Einsatz bei nachgewiesenem Mangel zur Unterstützung der Innenohrfunktion.
    • Ginkgo biloba-Extrakte – Zur Verbesserung der Mikrozirkulation im Innenohr bei bestimmten Patientengruppen.

Tertiärprävention

Die Tertiärprävention zielt darauf ab, die Lebensqualität von Patienten mit chronischem Tinnitus zu verbessern und Folgebelastungen zu minimieren.

  • Langzeittherapie
    • Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) – Neurologische Desensibilisierung durch Kombination aus Counseling und gezielter Geräuschtherapie.
    • Hörgeräte oder Masker – Maskierung störender Tinnitus-Geräusche zur Verbesserung der Lebensqualität.
  • Rehabilitation
    • Audiologische Rehabilitation – Individuelle Anpassung von Hörhilfen oder Maskern.
    • Psychosoziale Betreuung – Unterstützung zur Reduktion der psychischen Belastung durch Tinnitus.
  • Nachsorge und Monitoring
    • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen – Überwachung des Hörstatus und Anpassung der Therapie.
    • Selbsthilfegruppen – Austausch mit

Literatur

  1. Glicksman JT et al.: A prospective study of caffeine intake and risk of incident tinnitus. Am J Med 2014, online 10. März; doi: 10.1016/j.amjmed.2014.02.033
  2. Sanchez TG et al.: Tinnitus is associated with reduced sound level tolerance in adolescents with normal audiograms and otoacoustic emissions. Sci Rep 2016, online 6. Juni; doi: 10.1038/srep27109