Pleuraerguss – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Hämatothorax ‒ Blutansammlung im Pleuraspalt
  • Chylothorax ‒ Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Pleuraspalt
  • Pleuraempyem ‒ Ansammlung von Eiter im Pleuraspalt; Beachte: Risiko einer Ösophagusperforation (Speiseröhrendurchbruch; selten)
  • Pleuritis (Rippenfellentzündung) – z. B. mit Pneumokokken, Streptokokken
  • Pneumonie (Lungenentzündung)
  • Pseudochylothorax ‒ Ansammlung von Lymphe-ähnlicher Flüssigkeit im Pleuraspalt

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Sarkoidose (Synonyme: Morbus Boeck; Morbus Schaumann-Besnier) – systemische Erkrankung des Bindegewebes mit Granulombildung

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hypoalbuminämie ‒ vermindertes Vorkommen von Albumin (Eiweiß) im Blut
  • Myxödem ‒ pastöse (aufgeschwemmt; gedunsen) Haut, die ein nicht eindrückbares, teigiges Ödem (Schwellung) zeigt, das nicht lageabhängig ist; im Gesichtsbereich und peripher; vor allem an den Unterschenkeln auftretend; im Rahmen einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
  • Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS) – kann in seltenen Fällen bei der Ovulationsinduktion im Rahmen einer künstlichen Befruchtung auftreten kann. Das klinische Bild ist je nach Schweregrad sehr unterschiedlich; hervorgerufen wird das OHSS durch die Zufuhr von Gonadotropinen (Hormone), welche die Follikelreifung (Eizellreifung) stimulieren, beziehungsweise die Ovulation (Eisprung) herbeiführen sollen.

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Yellow-nail-Syndrom (YNS) – Syndrom unklarer Genese, bei dem sich infolge sich einer Nageldystrophie (Wachstumsstörungen die Nägel), die Nägel verdicken  und gelblich verfärben und sich des Weiteren ein Pleuraerguss sowie Lymphödeme ausbilden. Hinzukommen können dilatierte (ausgeweitete) Bronchien und rezidivierende (wiederkehrende) Sinusitiden (Nasennebenhöhlenentzündungen)

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akute Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
  • Dressler-Syndrom (Synonyme: Postmyokardinfarktsyndrom, Postkardiotomie-Syndrom) ‒ mehrere Wochen (1-6 Wochen) nach einem Myokardinfarkt (Herzinfarkt) bzw. einer Verletzung des Myokards (Herzmuskel) auftretende Perikarditis (Herzbeutelentzündung) und/oder Pleuritis (Rippenfellentzündung) als späte immunologische Reaktion am Perikard (Herzbeutel) nach Bildung von Herzmuskel-Antikörpern (HMA)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
    • Rechtsherzinsuffizienz (Rechtsherzschwäche) ‒ Unfähigkeit des rechten Herzens, das Blut suffizient durch den Kreislauf zu pumpen
    • Linksherzinsuffizienz (Linksherzschwäche) – Pleuraerguss entsteht auf dem Boden der Linksherzinsuffizienz; Pleura visceralis ist hier der Entstehungsort des Ergusses
  • Lungenembolie ‒ Verschluss von die Lungen versorgenden Gefäßen durch einen Embolus (Blutpfropf); ca. 20-55 % der Patienten mit einer Lungenembolie haben einen Pleuraerguss
  • Obstruktion der Vena cava superior (obere Hohlvene), nicht näher bezeichnet
  • Pulmonale Hypertonie (PH: Druckerhöhung im Lungenarteriensystem) – Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) eines Pleuraergusses beträgt ca. 20 %, auftreten eher rechtsseitig

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bakterielle Infektionen, nicht näher bezeichnet
  • Mykosen (Pilzinfektionen), nicht näher bezeichnet
  • Parasitosen ‒ Infektionen mit Parasiten ‒, nicht näher bezeichnet
  • Tuberkulose (Schwindsucht)
  • Virusinfektionen, nicht näher bezeichnet

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • Leberzirrhose ‒ degenerative Veränderung der Läppchenstruktur der Leber

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Akute Peritonitis (Bauchfellentzündung)
  • Intraabdominelle Abszesse ‒ abgekapselte Eiteransammlungen im Bauchraum
  • Ösophagusperforation ‒ Durchbruch der Speiseröhre
  • Zwerchfellhernie ‒ Weichteilbruch im Bereich des Zwerchfells

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA), ehemals Churg-Strauss-Syndrom (CSS) – granulomatöse (etwa: "körnchenbildende") Entzündung der kleinen bis mittelgroßen Blutgefäße, bei der das betroffene Gewebe von eosinophilen Granulozyten (Entzündungszellen) infiltriert ("durchwandert") wird
  • Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), ehemals Wegenersche Granulomatose − nekrotisierende (Gewebe absterbende) Vaskulitis (Gefäßentzündung) der kleinen bis mittelgroßen Gefäße (Kleingefäßvaskulitiden), welche mit einer Granulombildung (Knötchenbildung) in den oberen Atemwegen (Nase, Nasennebenhöhlen, Mittelohr, Oropharynx) sowie den unteren Atemwegen (Lunge) einhergeht
  • Rheumatoide Arthritis
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ‒ Systemerkrankung, die die Haut und das Bindegewebe der Gefäße betrifft und so zu Gefäßentzündungen (Vaskulitiden) zahlreicher Organe wie Herz, Nieren oder Gehirn führt; Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) eines Pleuraergusses ist mit 30-50 % hoch (Polyserositis)
  • Sjögren-Syndrom (Gruppe der Sicca-Syndrome) – Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen, die zu einer chronisch entzündlichen Erkrankung der exokrinen Drüsen, am häufigsten der Speichel- und Tränendrüsen, führt; typische Folgeerkrankungen bzw. Komplikationen des Sicca-Syndroms sind:
    • Keratokonjunktivitis sicca (Syndrom des trockenen Auges) aufgrund fehlender Benetzung von Horn- und Bindehaut mit Tränenflüssigkeit
    • erhöhte Kariesanfälligkeit durch Xerostomie (Mundtrockenheit) aufgrund verminderter Speichelsekretion
    • Rhinitis sicca (trockene Nasenschleimhäute), Heiserkeit und chronischer Hustenreiz sowie eine gestörte Sexualfunktion durch Störung der Schleimdrüsenproduktion des Respirationstraktes und der Genitalorgane

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) 
  • Gastrointestinale Malignome (bösartige Magen-Darm-Tumoren) (ca. 5 % aller Fälle eines malignen Pleuraergusses)
  • Immunoblastische Lymphadenopathie ‒ zu den Non-Hodgkin-Lymphomen zählende maligne (bösartige) Erkrankung der Blutzellen
  • Leukämie, nicht näher bezeichnet
  • Lymphome (ca. 10 % aller Fälle eines malignen Pleuraergusses)
  • Mammakarzinom (Brustkrebs) (ca. 25 % aller Fälle eines malignen Pleuraergusses)
  • Meigs-Syndrom ‒ gleichzeitige Auftreten eines Fibroms des Ovars (Eierstock), eines Aszites (Bauchwasser) und eines Pleuraergusses
  • Nicht näher bezeichnete metastasierende Neoplasie ‒ bösartige mit Bildung von Tochtergeschwülsten einhergehende Neubildung
  • Pleuramesotheliom ‒ ein von den Mesothelzellen (Zölomepithel) ausgehender maligner Tumor der Pleura. [Erstbeschreibung betraf die Krankheitsauslösung durch den eingeatmeten Asbeststaub]
  • Pleuritis carcinomatosa ‒ Entzündung der Pleura (Brustfell), die mit einer Metastasierung der Pleura einhergeht
  • Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) (ca. 5 % aller Fälle eines malignen Pleuraergusses)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Nephrotisches Syndrom ‒ Sammelbegriff für Symptome, die bei verschiedenen Erkrankungen des Glomerulums (Nierenkörperchen) auftreten; die Symptome sind Proteinurie (erhöhte Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin) mit einem Proteinverlust von mehr als 1 g/m²/Körperoberfläche/d; Hypoproteinämie, periphere Ödeme durch eine Hypalbuminämie von < 2,5 g/dl im Serum, Hyperlipoproteinämie (Fettstoffwechselstörung)
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Verletzungen des Thorax' (Brustkorb), nicht näher bezeichnet

Weiteres

  • Endoskopische Ösophagusvarizenverödung ‒ Verödung von Krampfadern der Speiseröhre per Endoskop
  • Peritonealdialyse ‒ Nierenersatzverfahren, welches das Bauchfell als Dialysemembran nutzt
  • Zustand nach abdominellen Operationen ‒ Eingriffen im Bauchraum
  • Zustand nach Bypass-Operation im Herzen
  • Zustand nach Lebertransplantation (LTx)
  • Zustand nach Strahlentherapie

Medikamente

  • Amiodaron (Antiarrhythmikum)
  • Betablocker
  • Bromocriptin (Dopamin-D2-Agonist; Hemmung der Prolaktinsekretion) 
  • Clozapin (Neuroleptikum)
  • Dantrolen (Hydantoin-Derivat aus der Gruppe der Muskelrelaxantien) – wird bei der malignen Hyperthermie eingesetzt
  • Interleukin-2 (IL 2)
  • Methotrexat (MTX)
  • Methysergid (Ergotaminderivat; Medikament aus der Gruppe der Serotoninantagonisten) – wird als Migränemittel eingesetzt
  • Monoklonale Antikörper – Pertuzumab, Trastuzumab
  • Nitrofurantoin (Antibiotikum)
  • Phenytoin (Antiepileptikum)
  • Procarbazin (nicht-klassisches Alkylans mit hoher antineoplastischer Wirksamkeit; Zytostatikum)

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Asbestexposition (Asbestose)