Masern-Postexpositionsprophylaxe (PEP)
Unter einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) versteht man die Versorgung mit Impfstoffen oder Antikörperpräparaten, um eine Erkrankung bei Personen zu verhindern, die nicht durch Impfung geschützt sind, jedoch dem Masernvirus ausgesetzt waren.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
1. Aktive Immunprophylaxe bei ungeschützten Personen nach Kontakt zu Masernkranken:
- Alter 6-8 Monate – nur nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung (Off-Label-Use)
- Alter 9-10 Monate
- Alter 11 Monate bis 17 Jahre
- Alter ab 18 Jahren, geboren nach 1970
2. Passive Immunprophylaxe bei Kontraindikation für Impfung und erhöhtem Komplikationsrisiko:
- Säuglinge unter 6 Monaten
- Schwangere ohne Masernschutz
- Personen mit Immundefizienz (z. B. Chemotherapie, Immunsuppression)
Durchführung
Aktive Immunprophylaxe
Eine einmalige Impfung mit MMR- oder MMRV-Impfstoff sollte innerhalb von 3 Tagen nach Exposition erfolgen.
Impfschemata je nach Alter und Impfstatus:
- Alter 6-8 Monate
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- Impfung (Off-Label-Use)
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- Impfung im Alter von 11-14 Monaten
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- Impfung im Alter von 15-23 Monaten
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- Alter ab 9 Monaten
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- Impfung unmittelbar postexpositionell
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- Impfung zu Beginn des zweiten Lebensjahres
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- Ungeimpfte oder Personen mit unklarem Impfstatus
- Zwei Impfungen im Abstand von mindestens 4 Wochen
- Personen mit nur einer Impfung in der Kindheit
- Eine zusätzliche Impfung zur Vervollständigung
Passive Immunprophylaxe
Eine passive Immunisierung mit humanem normalem Immunglobulin ist angezeigt, wenn:
- eine aktive Impfung kontraindiziert ist und
- eine erhöhte Gefahr für einen schweren Verlauf besteht
Zeitfenster: möglichst innerhalb von 6 Tagen nach Kontakt
Dosierung gemäß STIKO-Empfehlung:
Indikation | Präparat | Dosierung | Applikationsweg |
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Säuglinge unter 6 Monaten | Humanes Normal-Ig | 0,6 ml/kg KG | intramuskulär |
Schwangere ohne Masernschutz | Humanes Normal-Ig | 0,6 ml/kg KG | intramuskulär |
Immundefiziente Personen | i.v.-Ig ≥ 16 IE/ml | 400 mg/kg KG | intravenös |
Literatur
- Robert Koch Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin. 4/2024