Wassereinlagerungen (Ödeme) – Anamnese

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik des Ödems (Wassereinlagerung) dar.

Familienanamnese

  • Gibt es in Ihrer Familie häufig Vorerkrankungen, die mit Schwellungen oder Wassereinlagerungen verbunden sind (z. B. Herz-, Nieren-, Leber- oder Lymphprobleme)?
  • Sind bekannte Erbkrankheiten wie das Lymphödem, Lipödem oder familiäre Stoffwechselstörungen vorhanden?

Sozialanamnese

  • Beruf:
    • Welchen Beruf üben Sie aus?
    • Sind Sie beruflich körperlichen Belastungen oder langem Stehen/Sitzen ausgesetzt?
  • Haben Sie vor kurzem Ihre Lebensumstände geändert (z. B. Umzug, neue Tätigkeit)?
  • Gibt es Hinweise auf psychosoziale Belastungen oder familiäre Probleme, die Ihre Gesundheit beeinflussen könnten?

Reiseanamnese

  • Waren Sie in den letzten Wochen oder Monaten auf Reisen? Wenn ja:
    • Wann sind Sie gereist? [Wichtig zur Einschätzung der Inkubationszeit]
    • Wohin sind Sie gereist:
      • Haben Sie sich in tropischen, subtropischen oder hoch gelegenen Gebieten aufgehalten?
      • Haben Sie in Endemiegebieten für Filariosen (Erkrankungen, die auf die Infektion mit parasitischen Fadenwürmern beruhen) übernachtet (z. B. West- und Zentralafrika, Südostasien, Indien, Pazifikinseln)?
      • Haben Sie sich in Malaria-Endemiegebieten aufgehalten (tropisches Afrika, Südostasien, Lateinamerika)?
      • Waren Sie in Regionen mit Leptospirose-Risiko (Südamerika, Südostasien, Karibik, Madagaskar)?
    • Wie lange dauerte Ihr Aufenthalt?
  • Haben Sie kürzlich Langstreckenflüge (> 4 Stunden) oder längere Autofahrten unternommen?
  • Haben Sie sich in großen Höhen über 2.500 Metern aufgehalten (z. B. Anden, Himalaya, Alpen)? Wenn ja:
    • Hatten Sie Anzeichen einer Höhenkrankheit (Kopfschmerzen, Atemnot, Schwindel, Wassereinlagerungen in Händen, Füßen oder Gesicht)?*
  • Hatten Sie Kontakt zu stehendem Wasser (z. B. Seen, Sümpfe, Flüsse)? [Risiko für Bilharziose (Schistosomiasis)]
  • Haben Sie rohes oder unzureichend gegartes Fleisch in tropischen Regionen konsumiert? [Risiko für Trichinellose oder Toxoplasmose]
  • Haben Sie in Gebieten mit schlechter Trinkwasserqualität oder mangelnder Hygiene gewohnt?
  • Gab es Berichte über Krankheitsausbrüche in der Region Ihrer Unterkunft?
  • Wurden Sie von Mücken oder anderen Insekten gestochen?
  • Haben Sie keine Schutzmaßnahmen gegen Mücken getroffen (Mückenspray, Moskitonetze, lange Kleidung)?
  • Gab es in Ihrer Unterkunft keine Klimaanlage und standen die Fenster dauerhaft offen?
  • Hatten Sie während oder nach der Reise geschwollene Beine oder Füße?
  • Haben Sie während der Reise wenig Bewegung gehabt?
  • Haben Sie während der Reise ungewohnte körperliche Belastungen erlebt (z. B. lange Wanderungen, Bergsteigen, hohe Temperaturen)?
  • Hatten Sie eine salzreiche oder proteinreiche Ernährung während der Reise?
  • Haben Sie Veränderungen im Trinkverhalten festgestellt (z. B. starke Flüssigkeitszufuhr oder Dehydratation)?
  • Mögliche reiseassoziierte Erkrankungen mit Ödemen und Risikogebiete:
    • Infektionskrankheiten mit Ödembildung:
      • Filariose (Lymphatische Filariose, Elefantiasis) → West- und Zentralafrika, Südostasien, Indien, Pazifikinseln, Brasilien
      • Schistosomiasis (Bilharziose) → Afrika (Nilgebiet, Senegal, Madagaskar), Südamerika (Brasilien, Venezuela), Südostasien (Philippinen, China)
      • Leptospirose → Südamerika, Karibik, Südostasien, Madagaskar
      • Dengue-Fieber → Südostasien, Lateinamerika, Karibik, Afrika, Pazifikregion
      • Malaria → tropisches Afrika, Südostasien, Lateinamerika, Pazifikregion
      • Trichinellose → Osteuropa, China, Thailand, Argentinien, Mexiko
      • Toxoplasmose → weltweit, aber häufiger in Südamerika, Nordafrika, Zentralasien
    • Nicht-infektiöse Ursachen für reiseassoziierte Ödeme:
      • Höhenkrankheit → Anden (Peru, Bolivien, Ecuador), Himalaya (Nepal, Tibet), Rocky Mountains, Kilimandscharo
      • Tiefe Venenthrombose (Reisethrombose) → besonders nach Langstreckenflügen oder langen Busreisen
      • Hitzeödeme → häufig in heißen Regionen wie Wüstengegenden, Südasien, Australien, Mittlerer Osten
      • Salzreiche Ernährung in tropischen Ländern → vermehrt in Asien (China, Japan, Indien), Lateinamerika (Mexiko, Brasilien)

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)

  • Leiden Sie unter Schwellungen und Umfangszunahmen von Gliedmaßen?
    • Beide Beine/Füße oder nur eine Seite betroffen?
    • Sind Arme oder Hände ebenfalls betroffen?
  • Haben Sie weitere Schwellungen außerhalb der Gliedmaßen festgestellt?
    • Augenlider?
    • Bauchbereich?
    • Gesicht?
  • Haben Sie ein Spannungsgefühl oder eine Einschränkung der Beweglichkeit in den geschwollenen Arealen?
  • Haben Sie weitere Symptome:
    • Luftnot: Tritt sie in Ruhe oder nur bei Belastung auf?*
    • Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit?
    • Vermehrtes Wasserlassen in der Nacht?
    • Nächtlicher Husten oder Atemgeräusche?
    • Bläuliche Verfärbung der Haut oder der Lippen?
    • Gewichtszunahme?
    • Magenbeschwerden oder Völlegefühl?
    • Appetitlosigkeit oder Übelkeit?
  • Seit wann bestehen diese Beschwerden?
  • Haben sich die Symptome im Verlauf verändert oder verschlimmert?

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

  • Hat sich Ihr Körpergewicht ungewollt verändert? Geben Sie bitte uns Ihr Körpergewicht (in kg) und Ihre Körpergröße (in cm) an.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen?
  • Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit?
  • Treiben Sie regelmäßig Sport oder bewegen Sie sich ausreichend?
  • Rauchen Sie? Wenn ja, wie viele Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen pro Tag?
  • Trinken Sie Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser pro Tag?
  • Nehmen Sie Drogen? Wenn ja, welche Drogen und wie häufig pro Tag bzw. pro Woche?

Eigenanamnese

  • Vorerkrankungen:
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Hypertonie (Bluthochdruck))?
    • Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose, Fettleber)?
    • Nierenerkrankungen (z. B. chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche))?
    • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen)?
    • Tumorerkrankungen?
  • Operationen:
    • Haben Sie in der Vergangenheit größere Operationen gehabt?
    • Wurden Gefäßoperationen durchgeführt (z. B. Bypass, Krampfaderentfernung)?

Medikamentenanamnese

  • ACE-Hemmer (angioneurotisches Ödem; Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen): ca. 1 %; Mortalität (Sterberate): 1 %) – Benazepril, Captopril, Cilazapril, Enalapril, Fosinopril, Lisinopril, Moexipril, Peridopril, Quinapril, Ramipril, Spirapril
  • Alpha-1-Rezeptorenblocker (Prazosin)
  • Analgetika
    • Antirheumatika (NSAR), nicht-steroidale (Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Indometacin, Ibuprofen, Meloxicam, Piroxicam)
    • Selektive Cox-2-Hemmer (Coxibe) – Celecoxib, Etoricoxib
  • Betamimetika (Synonyme: β2-Sympathomimetika, auch β2-Adrenozeptor-Agonisten) – Fenoterol, Formoterol, Hexoprenalin, Indaceterol, Olodaterol, Ritodrin, Salbutamol, Salmeterol, Terbutalin
  • Calciumantagonisten (vor allem Substanzen vom Dihydropyridin-Typ/Nifedipin-Typ (Amlodipin, Lercanidipin, Nifedipin, Nitrendipin); zweite und dritte Generation wie Lercanidipin sind besser verträglich)
  • Diuretika – vor allem Schleifendiuretika wie Furosemid und Torasemid, die Beinödeme auslösen können
  • Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (Endothelinrezeptorantagonisten) – Bosentan
  • Hormone
    • Androgene (Testosteron, Testosteronenantat, Testosteronundecaonat)
    • Gestagene (Etonogestrel, Desogestrel, Dienogest, Levonorgestrel, Medroxyprogesteronacetat, Medrogeston, Norelgestromin, Norethisteron)
    • Glucocorticoide (Cortison, Dexamethason, Prednisolon, Prednison)
    • Kontrazeptiva (Östrogen-Gestagen-Kombination)
    • Östrogene (Ethinylestradiol, Estradiol)
    • Wachstumshormon (Somatotropes Hormon (STH), Human Growth Hormone (hGH), Growth Hormone (GH), Wachstumshormon (WH), Somatropin (INN))
  • Immunsuppressiva (Thalidomid)
  • Interleukin-2 (IL-2), auch als T-Zell-Wachstumsfaktor (engl. T-cell growth factor, TCGF) bezeichnet
  • Monoklonale Antikörper – Pertuzumab, Trastuzumab
  • Psychopharmaka – atypische Neuroleptika, Lithium, MAO-Hemmer, trizyklische Antidepressiva
  • Thionamide (Carbimazol, Propylthiouracil, Thiamazol)
  • Vasodilatoren (Dihydralazin, Minoxidil)

* Falls diese Frage mit "Ja" beantwortet worden ist, ist ein sofortiger Arztbesuch erforderlich! (Angaben ohne Gewähr)

Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.