Ulcus cruris venosum – Weitere Therapie

Allgemeine Maßnahmen

  • Bewegung!

Débridement 

Das Débridement (Wundtoilette) von Belägen bzw. bradytophem oder nekrotischem (abgestorbenem) Gewebe ist die wichtigste chirurgische Basismaßnahme.

Lokale Wundtherapie (Exsudatmanagement)

Das Exsudatmanagement dient der Bewertung und Regulierung des Exsudataufkommens. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass ein Ausgleich zwischen erwünschter und unangemessener Exsudat englisch stattfindet.

  • Ein Vorteil der feuchten Wundbehandlung ist belegt.
  • Man kann verschiedene Formen der Wundauflagen nutzen. Es wird diskutiert, dass silberhaltige Wundauflagen hinsichtlich eines rascheren Abheilung Vorteile haben sollen.
    Hinweis: Lokale Wundauflagen sollen insbesondere überschüssiges Wundexsudat aufnehmen, ohne dass dadurch die Wunde ausgetrocknet wird.
  • Beim Verbandwechsel (VW) sollte wenn nötig Trinkwasser oder physiologische Kochsalzlösung zur Reinigung genutzt werden
  • Der Ulkusrand kann mit Zinkpaste vor Mazeration (Aufweichung des Gewebes) geschützt werden
  • Applikation von
    • polarisiertem, polychromatischem, nicht-kohärentem Licht
    • gepulsten elektromagnetischer Felder, gepulstem Gleichstrom
  • Applikation von Ultraschall
  • Topische Unterdruckbehandlung

Ein adäquates Exsudatmanagement in Kombination mit einer korrekten Kompressionstherapie führt in der Mehrzahl der Fälle zur Abheilung von venösen Ulzera (Geschwüre).

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Medizinische Kompressionstherapie (zur Verbesserung des venösen Rücktransports aus den Beinen; Evidenzlevel: 1a/A) – am besten mit kurzzugelastischen Materialien, Kompressionsstrumpf [Fundament der Therapie des Ulcus cruris venosum]
    (Achtung: nicht bei arteriellen Durchblutungsstörungen) [in der der Regel der Klasse II; optimale Druckwerte liegen zwischen 30 und 50 mmHg]; weiteres s. u. "Kompressionstherapie"
  • Radiologische interventionelle Therapie (Evidenzlevel: 1b/A) – kann zur Verbesserung des venösen Rückstroms indiziert sein.

Operative Therapie

  • Sklerotherapie (Evidenzlevel: 1b/A) – zum Veröden von Varizen (Krampfadern)

Impfungen

Bei einem floriden Ulcus cruris venosum sollte immer auch der Tetanus-Impfschutz überprüft werden

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem Mischköstler unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkrankung. Das bedeutet u. a.:
    • täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
    • ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, d. h. fette Meeresfische (Omega-3-Fettsäuren) wie Lachs, Hering, Makrele
    • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte, Gemüse)
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns. 

Sportmedizin

  • Leichtes Ausdauertraining (Cardiotraining) und Ausdauertraining
  • Sportliche Übungen (leichtes Ausdauer- Kraft und Gymnastiktraining; dreimal in der Woche) können den Heilungsprozess bei venösen Ulzera deutlich beschleunigen. Im Durchschnitt dauerte der Heilungsprozess nur 13 Wochen, bis die Läsionen abgeheilt war gegenüber 34,7 Wochen in der Kontroll­gruppe [1].
  • Das Ulcus cruris venosum heilt durch die Kombination von Kompressionstherapie und aerobes Training besser ab: das beste Ergebnis wurde mit Kraft- plus Ausdauertraining (dreimal pro Woche; Gehen (10.000 Schritte pro Tag) bzw. auf dem Laufband oder Fahrradergometer trainieren) erzielt [2]:
    • Kompression plus Training: Ulkusheilung innerhalb von zwölf Wochen: 60,6 % der Patienten (57 von 94)
    • Kompression allein: 45,8 % (44 von 96).
    Fazit: Durch zusätzliches Training erreichten 14 % (14 von 100) mehr eine Ulkusheilung.
  • Erstellung eines Fitness- bzw. Trainingsplans mit geeigneten Sportdisziplinen auf der Grundlage eines medizinischen Checks (Gesundheitscheck bzw. Sportlercheck)
  • Detaillierte Informationen zur Sportmedizin erhalten Sie von uns.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Intensive Gehübungen
  • Krankengymnastik
  • Manuelle Lymphdrainage (ML) mit komplexer physikalischer Entstauungstherapie (KPE)
  • Intermittierende pneumatische Kompression (IPK; auch: apparative intermittierende Kompression, AIK)

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de
  • Deutsche Gefäßliga e. V.
    Postfach 4038, D-69254 Malsch b. Heidelberg
    Telefon: 07253-26228, Fax: 07253-278160, E-Mail: info@deutsche-gefaessliga.de Internet: www.deutsche-gefaessliga.de

Literatur

  1. Klonizakis M et al.: Supervised exercise training as an adjunct therapy for venous leg ulcers: a randomised controlled feasibility trial. BJD Accepted manuscript online: 27 October 2017 doi: 10.1111/bjd.16089
  2. Jull A et al.: Prescribed Exercise With Compression vs Compression Alone in Treating Patients With Venous Leg Ulcers: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Dermatol. Published online October 3, 2018. doi:10.1001/jamadermatol.2018.3281

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK). (AWMF-Registernummer: 037 - 005), Dezember 2018 Langfassung