Gangrän – Einleitung

Gangrän (Gangräne) bezeichnet eine irreversible Nekrose von Gewebe infolge einer kritischen Ischämie (Minderdurchblutung) oder anderer schwerwiegender Gewebeschädigungen. Die daraus resultierende Zellnekrose (Zelltod) führt häufig zu erheblichen Komplikationen, einschließlich Sepsis und Multiorganversagen. Der Begriff leitet sich vom griechischen "gángraina" ab, was wörtlich "fressendes Geschwür" bedeutet und den destruktiven Charakter dieser Pathologie unterstreicht.

Synonyme und ICD-10: ICD-10-GM R02.-: Gangrän, andernorts nicht klassifiziert

Formen der Erkrankung

Die Gangrän kann basierend auf ihrer Ätiologie (Ursache) sowie ihrer Morphologie (Erscheinungsbild) in verschiedene Formen unterteilt werden.

Nach der Ätiologie (Ursache) 

  • Gangrän bei Atherosklerose (Arteriosklerose):
    • ICD-10-GM I70.25: Becken-Bein-Typ, mit Gangrän
  • Gangrän bei Diabetes mellitus:
    • ICD-10-GM E10.5: Typ 1 Diabetes mellitus mit peripheren vaskulären Komplikationen (Gefäßkomplikationen; diabetisch: Gangrän
    • ICD-10-GM E11.5: Typ 2 Diabetes mellitus mit peripheren vaskulären Komplikationen, Diabetisch: Gangrän
    • ICD-10-GM E14.5: Nicht näher bezeichneter Diabetes mellitus mit peripheren vaskulären Komplikationen; diabetisch: Gangrän
  • Gangrän bei sonstigen peripheren Gefäßkrankheiten:
    • ICD-10-GM I73.-: Sonstige periphere Gefäßkrankheiten

Nach der Morphologie

  • Trockenes Gangrän: Gekennzeichnet durch die Vertrocknung und Schrumpfung des betroffenen Gewebes infolge einer chronischen Minderdurchblutung. Es bildet sich typischerweise eine schwarze, mumifizierte Haut.
  • Feuchtes Gangrän: Entsteht durch eine Infektion des trockenen Gangräns mit Fäulnisbakterien. Diese Form ist durch Schwellung, Verfärbung und einen fauligen Geruch gekennzeichnet und führt rasch zu einer Ausbreitung der Infektion.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen einer Gangrän sind:

  • Atherosklerose (Arteriosklerose; Arterienverkalkung): Verengung und Verhärtung der Arterien, die zu einer verminderten Durchblutung führt.
  • Diabetes mellitus: Durch langfristig erhöhte Blutzuckerwerte kommt es zu peripheren Gefäßschäden, die das Risiko für die Entwicklung einer Gangrän erhöhen.
  • Periphere Gefäßkrankheiten: Erkrankungen, die die Blutversorgung der Extremitäten beeinträchtigen, wie beispielsweise die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).

Epidemiologie

Geschlechterverhältnis: Gangrän tritt häufiger bei Männern auf, insbesondere aufgrund einer höheren Prävalenz von Risikofaktoren wie Rauchen und Atherosklerose.

Häufigkeitsgipfel
: Hauptsächlich bei älteren Menschen, insbesondere bei solchen mit Diabetes mellitus oder peripheren Gefäßerkrankungen.

Prävalenz
(Krankheitshäufigkeit): Daten zur Prävalenz variieren, aber Gangrän ist eine häufige Komplikation bei Patienten mit Diabetes mellitus und peripheren Gefäßerkrankungen.

Inzidenz
(Häufigkeit von Neuerkrankungen): Höher bei Patienten mit unkontrolliertem Diabetes mellitus, peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder nach akuten vaskulären Ereignissen wie einer Thrombose (Störung des Blutflusses, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß bildet hat).

Verlauf und Prognose

Verlauf

  • Eine Gangrän entwickelt sich typischerweise langsam, besonders bei chronischen Erkrankungen wie Atherosklerose. In diesen Fällen führt die anhaltende Minderdurchblutung zur Austrocknung und Schrumpfung des Gewebes (trockenes Gangrän).
  • Bei einer bakteriellen Infektion kann sich das Gangrän jedoch innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen ausbreiten (feuchtes Gangrän), was die Prognose erheblich verschlechtert.

Prognose

  • Die Heilungschancen bei Gangrän sind in der Regel schlecht, besonders wenn die zugrunde liegenden Ursachen ineffektiv behandelt werden.
  • Eine schnelle und aggressive Behandlung ist notwendig, um eine Sepsis (Blutvergiftung) zu verhindern, die eine lebensbedrohliche Komplikation darstellt.
  • Die Prognose hängt stark von der rechtzeitigen Behandlung und der Kontrolle der zugrunde liegenden Erkrankungen ab. In schweren Fällen kann eine Amputation notwendig sein, um das Fortschreiten der Infektion zu stoppen und das Leben des Patienten zu retten.