AV-Knoten-Reentrytachykardie – Operative Therapie
Die atrioventrikuläre Reentrytachykardie (AVRT) ist eine schnelle Herzrhythmusstörung, die durch kreisende elektrische Impulse zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern über eine zusätzliche Leitungsbahn (akzessorisches Bündel) entsteht. Sie ist typischerweise mit dem Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) assoziiert. Die operative Therapie zielt auf die Beseitigung der zusätzlichen Leitungsbahn, um die Tachykardie (schnellen Herzschlag) dauerhaft zu verhindern.
Operative Therapie: Katheterablation
- Definition:
- Die Katheterablation (gezielte Verödung) ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem die zusätzliche Leitungsbahn (akzessorisches Bündel) gezielt zerstört wird, um den Reentry-Mechanismus zu unterbrechen.
- Indikationen:
- Symptomatische AVRT, die mit Medikamenten nicht ausreichend kontrolliert werden kann.
- Rezidivierende Tachykardien, die die Lebensqualität beeinträchtigen.
- Hohes Risiko für plötzlichen Herztod bei WPW-Syndrom, insbesondere bei dokumentierten schnellen Ventrikelantworten.
- Verfahren:
- Zugang: Einführung eines Katheters über die Leistenvene (Vena femoralis) und Vorschieben in das Herz unter Röntgen- und 3D-Mapping-Kontrolle.
- Elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Identifikation der akzessorischen Leitungsbahn.
- Ablation: Zerstörung des Gewebes der zusätzlichen Leitungsbahn durch:
- Radiofrequenzenergie (Hochfrequenzstrom): Lokale Erwärmung des Gewebes.
- Kryoablation (Kälteablation): Lokale Vereisung des Gewebes.
- Erfolgskontrolle: Überprüfung der Rhythmusstabilität nach der Ablation.
- Vorteile:
- Hohe Erfolgsrate (über 95 %).
- Geringes Rezidivrisiko.
- Keine Notwendigkeit für eine lebenslange medikamentöse Therapie.
- Risiken:
- Perforation der Herzwand (sehr selten).
- Blutungen oder Infektionen an der Punktionsstelle.
- AV-Block, der bei ungewollter Zerstörung des AV-Knotens auftreten kann.
Alternative operative Ansätze
- Offene Herzchirurgie:
- Nur in Ausnahmefällen, z. B. bei gleichzeitigen Eingriffen wie Herzklappenoperationen oder in Fällen, in denen eine Katheterablation nicht möglich ist.
Nachsorge
- Medikamentöse Begleitung:
- In der Regel nicht erforderlich, außer bei Patienten mit multiplen akzessorischen Bahnen oder Begleiterkrankungen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen:
- EKG und Langzeit-EKG zur Bestätigung des Ablationserfolgs.
Fazit
Die Katheterablation ist die Standardtherapie bei AVRT und bietet eine effektive und dauerhafte Lösung für symptomatische oder rezidivierende Tachykardien. Durch die gezielte Zerstörung der akzessorischen Leitungsbahn wird die normale Herzfunktion wiederhergestellt. Der Eingriff ist minimalinvasiv, mit hohen Erfolgsraten und einer geringen Komplikationsrate. Engmaschige Nachsorge sichert den Therapieerfolg und die langfristige Lebensqualität.