Mandelentzündung (Tonsillitis) – Operative Therapie
Die operative Behandlung der Tonsillitis (Mandelentzündung) umfasst verschiedene Verfahren, die je nach Indikation und Patientengruppe differenziert eingesetzt werden. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation basiert auf der individuellen Krankheitsgeschichte, den Beschwerden und der Häufigkeit der Infektionen.
Operationsverfahren
- Tonsillektomie (TE, vollständige Entfernung der Gaumenmandeln) – Dieses Verfahren wird insbesondere bei Erwachsenen mit rezidivierender Tonsillitis (Mandelentzündung) oder relevanten Komplikationen angewendet.
- Tonsillotomie (TT) – Teilweise Entfernung der Gaumenmandeln, bevorzugt bei Kindern mit obstruktiver Symptomatik, aber ohne häufige Infektionen.
- Subtotale/intrakapsuläre/partielle Tonsillektomie (SIPT) – Nicht vollständige Entfernung der Gaumenmandeln, um eine Reduktion des Gewebes zu erzielen, jedoch mit dem Ziel, einen gewissen Schutz durch das verbliebene lymphatische Gewebe zu erhalten.
Bisher konnte kein eindeutiger Vorteil eines Verfahrens nachgewiesen werden, weshalb die Wahl individuell getroffen werden muss.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Die Tonsillektomie ist eine Option bei:
- Häufige Tonsillitiden:
- ≥ 6 Episoden pro Jahr – Tonsillektomie als therapeutische Option
- 3–5 Episoden pro Jahr – Tonsillektomie als mögliche Option, falls in den folgenden 6 Monaten weitere Episoden auftreten
- Peritonsillarabszess (PTA, Eiteransammlung zwischen Gaumenmandel und umgebendem Gewebe):
- Komplikation der Tonsillitis (Mandelentzündung) mit Abszessbildung (Eiterhöhlenbildung)
- Indikation für eine Abszesstonsillektomie bei Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung) oder insuffizienter Drainage (unzureichende Ableitung)
- Obstruktive Tonsillenhyperplasie (krankhafte Vergrößerung der Gaumenmandeln mit Atemwegsbehinderung):
- Atemwegsbehinderung durch stark vergrößerte Gaumenmandeln
- Insbesondere bei Kindern mit schlafbezogenen Atemstörungen (OSAS)
- Multiple Antibiotika-Allergien (Unverträglichkeiten gegenüber mehreren Antibiotika), die eine konservative Therapie unmöglich machen
- PFAPA-Syndrom (Akronym für periodisches Fieber, aphthöse Stomatitis, Pharyngitis und zervikale Adenitis):
- Periodisches Fieber, aphthöse Stomatitis (Mundgeschwür), Pharyngitis (Rachenentzündung), zervikale Adenitis (schmerzhafte Schwellung der Lymphknoten im Halsbereich)
- Regelmäßige Fieberepisoden mit spontanem Abklingen, meist vor dem 5. Lebensjahr manifest
Die Tonsillotomie kann eine Alternative bei Kindern mit rezidivierender Tonsillitis (Mandelentzündung) darstellen, insbesondere bei einer Tonsillengröße ≥ Brodsky-Grad 2 (Einengung des Rachenraums um 26–50 % durch vergrößerte Mandeln) mit relevanter Symptomatik.
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
- Akute Infektion zum Operationszeitpunkt
- Blutgerinnungsstörungen
- Unzureichender Allgemeinzustand des Patienten
- Fehlende therapeutische Notwendigkeit
Operationsverfahren im Detail
- Tonsillektomie:
- Vollständige Entfernung der Gaumenmandeln unter Vollnarkose
- Verschiedene Techniken: kalte Dissektion, bipolare Elektrochirurgie, Laser-assistierte Verfahren
- Postoperative Nachblutungsrate von 2–7 %, häufig zwischen Tag 5 und 10 nach OP
- Tonsillotomie:
- Teilweise Entfernung des Tonsillengewebes
- Geringere postoperative Schmerzen, niedrigere Blutungsraten
- Risiko des Nachwachsens des Gewebes und erneuter Tonsillitiden
- Subtotale/intrakapsuläre Tonsillektomie:
- Belassen eines Teils der Mandelkapsel zur Reduktion postoperativer Schmerzen
- Reduziertes Blutungsrisiko
- Höheres Risiko für persistierende Infektionen
Postoperative Nachsorge
- Schmerztherapie mit NSAR oder Paracetamol
- Vermeidung fester, scharfkantiger Speisen
- Adäquate Hydratation (adäquates Trinkverhalten)
- Beobachtung auf Sekundärblutungen, insbesondere zwischen Tag 5 und 10 postoperativ
- Antibiotische Therapie nur bei spezifischer Indikation
Mögliche Komplikationen
- Frühkomplikationen:
- Primärblutungen innerhalb der ersten 24 h
- Anästhesiebedingte Risiken
- Spätkomplikationen:
- Sekundärblutungen am Tag 5–10
- Infektionen des OP-Gebiets
- Schluckbeschwerden
Vergleich der Operationsmethoden
Methode | Technik | Vorteile | Nachteile |
---|---|---|---|
Tonsillektomie | Vollständige Entfernung der Gaumenmandeln | Reduktion rezidivierender Infektionen, keine Gewebsreste | Höhere postoperative Schmerzen, erhöhtes Blutungsrisiko |
Tonsillotomie | Teilweise Entfernung des Mandelgewebes | Geringere Schmerzen, schnellere Erholung | Mögliches Nachwachsen, erneute Infektionen möglich |
Subtotale TE | Belassen von Tonsillengewebe | Weniger postoperative Schmerzen, geringeres Blutungsrisiko | Höheres Risiko für persistierende Infektionen |
Fazit
Die Wahl des geeigneten Operationsverfahrens sollte patientenindividuell erfolgen. Während die Tonsillektomie für Patienten mit häufigen Tonsillitiden oder relevanten Komplikationen geeignet ist, bietet die Tonsillotomie eine gute Alternative bei Kindern mit obstruktiven Beschwerden und geringer Infektanfälligkeit. Die postoperative Nachsorge ist essenziell, um Komplikationen zu minimieren.
Weitere Details zur Tonsillotomie bzw. Tonsillektomie siehe unter den gleichnamigen Operationen.
Leitlinien
- S2k-Leitlinie: Entzündliche Erkrankungen der Gaumenmandeln / Tonsillitis, Therapie. (AWMF-Register Nr. 017 - 024), August 2015. Langfassung