Panikstörungen – Anamnese

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik der Panikstörung dar.

Familienanamnese

  • Gibt es in Ihrer Familie häufig psychische Probleme (z. B. Angststörungen, Depressionen, Suchterkrankungen)?
  • Sind psychiatrische Erkrankungen oder belastende familiäre Situationen bekannt?

Sozialanamnese

  • Beruf:
    • Welchen Beruf üben Sie aus?
    • Gibt es berufliche Stressfaktoren oder Belastungen?
  • Leben Sie allein?
  • Gibt es psychosoziale Belastungen (z. B. Konflikte, finanzielle Sorgen)?

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden) (modifiziert nach [2, 3])

  • A1: Hatten Sie schon einmal einen Angstanfall, bei dem Sie ganz plötzlich von starker Angst, Beklommenheit oder Unruhe überfallen wurden?
  • A2: Haben Sie sich schon einmal über mindestens einen Monat oder länger ängstlich, angespannt und voll ängstlicher Besorgnis gefühlt?
  • A3: Litten Sie jemals unter unbegründeten Ängsten, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, in Geschäfte zu gehen oder sich auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten?
  • A4: Hatten Sie jemals unbegründete Ängste, mit anderen zu reden, etwas in Gegenwart anderer zu tun oder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen?
  • A5: Haben Sie jemals ein ungewöhnlich schreckliches oder bedrohliches Ereignis erlebt, unter dessen Nachwirkungen Sie monatelang litten?
  • A6: Gab es jemals eine Zeitspanne, in der Sie unter einer unbegründeten Angst vor besonderen Situationen, Gegenständen oder Tieren litten?
  • A7: Haben Sie jemals unter Gedanken gelitten, die unsinnig waren und immer wieder kamen, auch wenn Sie es gar nicht wollten?
  • A8: Gab es einmal eine Zeit in Ihrem Leben, in der Sie fünf oder mehr Gläser Alkohol pro Tag getrunken haben?
  • A9: Haben Sie schon mehrmals Anregungs-, Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmittel ohne ärztliche Verschreibung oder in höherer Dosierung eingenommen?
  • A10: Haben Sie in Ihrem Leben schon mehrmals irgendwelche Drogen wie z. B. Haschisch, Ecstasy, Kokain oder Heroin eingenommen?
  • Welche weiteren Beschwerden sind Ihnen aufgefallen?
  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • In welcher Häufigkeit treten sie auf?
  • Gab/Gibt es einen bzw. weitere Auslöser für die Angst?
  • Was tun Sie, um die Angst zu bewältigen?
  • Fühlen Sie sich in Ihrer Lebensqualität eingeschränkt?
  • Haben Sie in letzter Zeit an Selbstmord gedacht?*

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

  • Hat sich Ihr Appetit verändert?
  • Haben Sie Schlafprobleme (Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, frühzeitiges Erwachen)?
  • Trinken Sie gerne Kaffee, schwarzen oder grünen Tee? Wenn ja, wie viele Tassen pro Tag
  • Trinken Sie andere bzw. weitere koffeinhaltige Getränke? Wenn ja, wie viel jeweils davon?
  • Rauchen Sie? Wenn ja, wie viele Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen pro Tag?
  • Trinken Sie Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser pro Tag?
  • Nehmen Sie Drogen? Wenn ja, welche Drogen und wie häufig pro Tag bzw. pro Woche?

Eigenanamnese inkl. Medikamentenanamnese

  • Vorerkrankungen:
    • Haben Sie bekannte psychische oder somatische Erkrankungen (z. B. Depressionen, Herzerkrankungen)?
    • Leiden Sie unter neurologischen Erkrankungen oder Schilddrüsenstörungen?
  • Gab es in der Vergangenheit relevante Operationen?
  • Wurden psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlungen durchgeführt?
  • Medikamentenanamnese: Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
    • Antidepressiva: z. B. SSRI, SNRI
    • Beruhigungs- oder Schlafmittel: z. B. Benzodiazepine
    • Psychopharmaka: zur Behandlung von Angst- oder Panikstörungen
    • Stimulanzien: z. B. Amphetamine
    • Haben Sie jemals Medikamente missbraucht?
      • Anregungs- oder Schmerzmittel?

* Falls diese Frage mit "Ja" beantwortet worden ist, ist ein sofortiger Arztbesuch erforderlich! (Angaben ohne Gewähr)

Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.

Bei der Panikstörung handelt es sich um eine gut abgrenzbare Episode intensiver Angst, wobei mindestens vier der folgenden Kriterien auftreten.

Zu den diagnostischen Kriterien einer Panikstörung zählen (nach American Psychiatric Association [1]):

  • Herzstolpern, Herzklopfen oder schneller Puls
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Kurzatmigkeit/Atemnot
  • Erstickungsgefühl
  • Schmerzen in der Brust oder Beklemmungsgefühl (Brustenge)
  • Übelkeit oder andere Magen-Darm-Beschwerden
  • Schwindel, Benommenheit
  • Derealisation, Depersonalisation
  • Angst vor Kontrollverlust bzw. vor dem "Verrücktwerden"
  • Todesangst
  • Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit
  • Hitzewallungen/Kälteschauer

Literatur

  1. Modifiziert nach Kasper, Braunwald, Fauci, Hauser, Longo, Jameson: Harrisons Innere Medizin 2, 16. Auflage, Seite 2741; Hrsg: Dietel M, Suttorp N, Zeitz M; ABW Wissenschaftsverlag (2005)
  2. Wittchen, H.U. & G. Semler, Composite International Diagnostic Interview (CIDI, Version 1.0). 1990, Weinheim: Beltz.
  3. Wittchen, H.U. & H. Pfister, DIA-X Interviews: Manual für Screening, Verfahren und Interview, Interviewheft Längsschnittuntersuchung (DIA-X lifetime); Ergänzungsheft (DIA-X), Interviewheft Querschnittuntersuchung (DIA-X 12 Monate); PC-Programm zur Durchführung des Interviews (Längs- und Querschnittsuntersuchung); Auswertungsprogramm. 1997, Frankfurt: Swets und Zeitlinger.