Krämpfe und Spasmen der Muskulatur – Medikamentöse Therapie

Therapieziel bei Muskelkrämpfen

  • Prophylaxe von Muskelkrämpfen

Therapieempfehlungen

  • Mittel der ersten Wahl: Magnesium; ggf. Chininsulfat (Zweitlinienmittel) zur Nacht
  • Bei Krämpfen bei Dialysepatienten sollte eine Volumentherapie durchgeführt werden.
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie"(z. B. sanftes Dehnen als effektivste Maßnahme zur Behandlung von Muskelkrämpfen)

Weitere Hinweise

  • Gemäß einem Cochrane Review konnte Magnesium bei Patienten mit idiopathischen Muskelkrämpfe die Zahl der wöchentlichen Krämpfe nur gering und nicht signifikant zur anfänglichen Häufigkeit verändern [4].

Therapieziele bei Spastik

  • Funktionsverbesserung
  • Schmerzlinderung

Therapieempfehlungen

  • Baclofen, Tizanidin (Mystifikation/Antispastika), Mittel der ersten Wahl
  • In kleinen Studien zeigte sich ein positiver Effekt für Progabide, L-Dopa, Clonidin* sowie Cannabis (Spastik bei Multipler Sklerose), [1])
    Die Indikation ist in der Regel gegeben, wenn eine ausgeprägte Spastik** und eine nur geringe Beeinträchtigung der Willkürmotorik vorliegt.
  • Ausgeprägte funktionelle Effekte sind mit allen bisher bekannten Wirkstoffen nicht zu erreichen.
  • Botulinum-Toxin (Indikationen s. u.)

*Nebenwirkungen Cinchonismus: Thrombozytopenie (Verminderung der Thrombozyten/Blutplättchen), DIC (disseminierte intravasale Koagulopathie), HUS (hämolytisch-urämische Syndrom), Überempfindlichkeitsreaktionen, Tinnitus, Schwindel, gastrointestinal (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe/Durchfall); sehr selten (bei langfristiger Verordnung): tödliche ventrikuläre Herzrhythmusstörungen aufgrund von Verzögerung der Repolarisierung im Reizleitungssystem des Herzmuskels, erkennbar an einer Verlängerung des QT-Intervalls im EKG: Mortalitätsrisiko bei Patienten < 50 Jahren.: adjustierte Hazard Ratio von 3,06 (2,51-3,73) [2]

**Tolperison (Muskelrelaxantien) ist nur zur Behandlung der Spastizität nach einem Schlaganfall bei Erwachsenen zugelassen. Außerhalb dieser zugelassenen Indikation besteht zum Beispiel das Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen (bis hin zum anaphylaktischen Schock), ohne dass ein Nutzen nachgewiesen ist [3].

Indikationen für Botulinum-Toxin (nach nationalen und europäischen Konsensusgruppen)

  • Frühreha bei spastischem Beugetonus der Arme
  • Schwere Adduktorenspastik
  • Spastik bei Kindern mit kindl. Zerebralparese → Verbesserung des Gehens, Stehens und der Funktion der Hände
  • Spastische Spitzfuß-/Inversionsstellung, durch Schienen, physikalische Therapie sowie orale Medikation nicht zu beheben

Weitere Indikationen für Botulinum-Toxin

  • Blepharospasmus (Lidkrampf)
  • Faltenkorrektur
  • Fokale Hyperhidrosis – übermäßiges Schwitzen an bestimmten Körperstellen
  • Spasmus hemifacialis – Verkrampfung des Teils der Gesichtsmuskulatur, die vom Nervus facialis versorgt wird
  • Therapieresistente spastische Harnblasendysfunktion
  • Zervikale Dystonie (Schiefhals)

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Muskeln sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (D3, B1)
  • Mineralstoffe (Kalium, Magnesium, ggf. Calcium*)
  • Spurenelemente (Zink)
  • Weitere Vitalstoffe (Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesium-, Kalium- und Calciumcitrat))

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Novotna A, Mares J, Ratcliffe S et al.: A randomized, double-blind, placebo-controlled, parallel-group, enriched-design study of nabiximols* (Sativex((R)), as add-on therapy, in subjects with refractory spasticity caused by multiple sclerosis. Eur J Neurol. 2011 Sep;18(9):1122-31. doi: 10.1111/j.1468-1331.2010.03328.x. Epub 2011 Mar 1.
  2. Fardet L et al.: Association Between Long-term Quinine Exposure and All-Cause Mortality. JAMA. 2017;317(18):1907-1909. doi:10.1001/jama.2017.2332
  3. Rote-Hand-Brief: Tolperison-haltige Arzneimittel. AkdÄ Drug Safety Mail | 2020-37
  4. Garrison SR et al.: Magnesium for skeletal muscle cramps Cochrane Library 21 September 2020 https://doi.org/10.1002/14651858.CD009402.pub3