Gebärmutterhalskrebs (Cervixkarzinom) – Anamnese

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik des Cervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs) dar.

Familienanamnese

  • Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Cervixkarzinomen (Gebärmutterhalskrebs)?
  • Gibt es in Ihrer Familie Fälle anderer HPV-assoziierter Tumorerkrankungen (z. B. Analkarzinom, Peniskarzinom, oropharyngeales Karzinom (Krebs im Bereich des Mundrachens))?

Sozialanamnese

  • Beruf:
    • Welchen Beruf üben Sie aus?
    • Arbeiten Sie in einem Bereich mit erhöhtem Infektionsrisiko (z. B. Pflege, Medizin, Kosmetik- oder Intimhygienebranche)?
  • Leben Sie in einem sozialen Umfeld mit eingeschränktem Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen oder gesundheitlicher Aufklärung?
  • Haben Sie finanzielle oder andere Barrieren, die eine regelmäßige Gesundheitsvorsorge erschweren?
  • Haben Sie in letzter Zeit unter starkem psychischem Stress, familiären Konflikten oder sozialen Belastungen gelitten, die sich auf Ihr Gesundheitsverhalten ausgewirkt haben?

Sexualanamnese

  • Partnerschaftliche Situation:
    • Besteht derzeit eine feste Partnerschaft? Wenn ja:
      • Handelt es sich um eine monogame Beziehung?
    • Oder bestehen offene Beziehungsformen oder Sexualkontakte außerhalb einer festen Partnerschaft?
    • Besteht sexueller Kontakt mit Männern, Frauen oder mit beiden Geschlechtern?
  • Sexualverhalten und Schutzmaßnahmen:
    • Wie alt waren Sie beim ersten Geschlechtsverkehr?
    • Wie alt waren Sie beim ersten Geschlechtsverkehr? Ein frühes Alter bei Erstkontakt kann das Risiko einer persistierenden HPV-Infektion erhöhen.
    • Hatten Sie in den letzten 12 Monaten wechselnde Sexualpartner?
    • Gab es in den letzten Wochen neue Sexualkontakte?
    • Welche Arten von Sexualkontakt hatten Sie? (vaginal, oral, anal)
    • Wurde bei diesen Sexualkontakten regelmäßig ein Kondom oder eine andere Barrieremethode verwendet?
    • Legen Sie Wert auf eine gute Genitalhygiene (bei sich selbst und bei Ihren Partnern)?
  • Frühere sexuell übertragbare Infektionen (STI):
    • Hatten Sie in der Vergangenheit eine HPV-Infektion oder einen positiven HPV-Test? (Besonders relevant für Frauen über 30 Jahre – persistierende Hochrisiko-HPV-Typen gelten als Hauptursache des Cervixkarzinoms.)
    • Wurden bei Ihnen andere sexuell übertragbare Infektionen festgestellt (z. B. Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis, HIV, Herpes genitalis)? Wenn ja:
      • Wann wurden diese behandelt und wie war der Verlauf?
  • Partneranamnese und Infektionsumfeld:
    • Wurde bei Ihrem aktuellen oder früheren Sexualpartner eine STI festgestellt?
    • Wurden Ihre Sexualpartner über mögliche Infektionsrisiken informiert?
    • Ist bei einem Ihrer Partner ein aktueller STI-Nachweis erfolgt (z. B. Gonorrhoe, Chlamydien, Syphilis, HIV)?
  • Relevante Beschwerden im Zusammenhang mit Sexualkontakten:
    • Siehe unter: Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)
    • Haben Ihre Sexualpartner aktuell Symptome?* Wenn ja, welche?
  • Kinderwunsch und Verhütung:
    • Besteht aktuell ein Kinderwunsch?
    • Besteht eine Schwangerschaft oder die Möglichkeit einer Schwangerschaft?
    • Welche Verhütungsmethoden wenden Sie an?
      • Nehmen Sie hormonelle Kontrazeptiva ein? Eine langfristige Einnahme kann das Risiko für Zervixkarzinome geringfügig erhöhen.

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)

  • Haben Sie Veränderungen in Ihrem Menstruationszyklus bemerkt:
    • Verlängerte (> 6 Tage) und verstärkte Regelblutung?
    • Unregelmäßige Zwischenblutungen?*
    • Blutungen nach den Wechseljahren (postmenopausal)? (wichtiges Warnsignal)
  • Haben Sie einen ungewöhnlichen vaginalen Ausfluss bemerkt? Falls ja*:
    • Wie sieht dieser aus? (wässrig, eitrig, blutig, übelriechend)*
  • Haben Sie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr?*
  • Sind nach dem Geschlechtsverkehr vaginale Blutungen aufgetreten?*
  • Haben Sie Unterleibs- oder Beckenschmerzen?
  • Leiden Sie unter Rückenschmerzen oder Bauchschmerzen?*
  • Haben Sie Schmerzen oder Probleme beim Wasserlassen?*
  • Haben Sie Veränderungen beim Stuhlgang oder Darmbeschwerden?*

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

  • Haben Sie ungewollt Gewicht verloren? Geben Sie bitte uns Ihr Körpergewicht (in kg) und Ihre Körpergröße (in cm) an.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen?
  • Rauchen Sie? Wenn ja, wie viele Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen pro Tag?
  • Trinken Sie Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser pro Tag?
  • Nehmen Sie Drogen? Wenn ja, welche Drogen und wie häufig pro Tag bzw. pro Woche?

Eigenanamnese

  • Vorerkrankungen:
    • Haben Sie bereits frühere gynäkologische Erkrankungen gehabt? (z. B. Myome, Endometriose)
    • Bestehen bekannte chronische Infektionen?
    • Wurde bei Ihnen eine chronische Immunerkrankung oder eine immunsuppressive Therapie festgestellt?
  • Wurden in der Vergangenheit gynäkologische Operationen durchgeführt? (z. B. Konisation, Hysterektomie (Gebärmutterentfernung), LEEP-Verfahren)
  • Sind Sie gegen HPV geimpft?
  • Schwangerschaftsanamnese:
    • Wie viele Schwangerschaften hatten Sie? (Mehrere Geburten können das Risiko für HPV-assoziierte Dysplasien erhöhen.)
    • Hatten Sie Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburten oder Fehlgeburten?

Medikamentenanamnese

  • Nehmen Sie hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Hormonspirale, Depotspritze)? (Eine langjährige Einnahme kann das Risiko für Zervixkarzinome leicht erhöhen.)
  • Nehmen Sie Immunsuppressiva oder Kortikosteroide? (beeinflussen das Risiko für persistierende HPV-Infektionen)

* Falls diese Frage mit "Ja" beantwortet worden ist, ist ein sofortiger Arztbesuch erforderlich! (Angaben ohne Gewähr)

Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.