Tränende Augen (Epiphora) – Operative Therapie

Die Epiphora (tränende Augen) ist ein Symptom für eine gestörte Tränenabflussfunktion, die durch eine Verengung oder einen Verschluss der ableitenden Tränenwege verursacht werden kann. Eine operative Therapie wird erforderlich, wenn konservative Maßnahmen wie die Durchspülung des Tränennasengangs nicht ausreichen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Tränenpünktchen- oder Kanalikulusstenose (Verengung oder Verschluss der Tränenpünktchen oder Tränenkanälchen)
  • Ductus-nasolacrimalis-Stenose (Verengung oder Verschluss des Tränennasengangs)
  • Chronische Dakryozystitis (Entzündung des Tränensacks) durch Tränenwegsobstruktion
  • Angeborene oder erworbene Stenosen der Tränenwege mit therapieresistenter Epiphora

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Akute Infektionen der Tränenwege (z. B. akute Dakryozystitis/Tränensackentzündung)
  • Unkontrollierte Gerinnungsstörungen (erhöhtes Blutungsrisiko)
  • Schwere systemische Erkrankungen mit hohem Operationsrisiko
  • Fehlende Compliance für postoperative Pflege

Operationsverfahren

Tränenwegserweiterung

  • Dilatation (Dehnung der Tränenpünktchen oder Tränenkanälchen bei Verengung)
  • Tränenpunktplastik (chirurgische Erweiterung der Tränenpünktchen zur Verbesserung des Tränenabflusses)

Rekonstruktive Verfahren

  • Dakryozystorhinostomie (DCR, Toti-Operation)
    • Herstellung einer direkten Verbindung zwischen dem Tränensack und der Nasenhöhle
    • Kann extern (über einen Hautschnitt) oder endoskopisch durchgeführt werden
    • Indiziert bei Tränenwegsstenosen oder -verschlüssen
    • Erfolgsrate: 90-95 %

Ultima-Ratio-Verfahren

  • Tränenwegsprothese (Lacrimal Bypass, Jones-Tube)
    • Implantation eines Glas- oder Silikonröhrchens zur direkten Ableitung der Tränenflüssigkeit
    • Indikation: Versagen der Dakryozystorhinostomie oder ausgeprägte Tränenwegsobliteration

Postoperative Nachsorge

  • Regelmäßige Spülung der Tränenwege zur Vermeidung von Vernarbungen
  • Topische Antibiotika zur Infektionsprophylaxe
  • Vermeidung von Nasenreizung (z. B. Staub, Rauch) zur Unterstützung der Heilung
  • Bei Tränenwegsprothesen: regelmäßige Kontrolle und Reinigung durch den Augenarzt

Mögliche Komplikationen

  • Rezidivierende Tränenwegsverengung durch Narbenbildung
  • Wundinfektionen oder Tränenwegsentzündungen (Dakryozystitis)
  • Dislokation oder Verstopfung von Tränenwegsprothesen
  • Persistierende Epiphora trotz operativer Therapie

Vergleich der Operationsmethoden

Verfahren Indikationen (Anwendungsgebiete) Vorteile Nachteile
Dilatation Leichte Tränenpünktchen- oder Kanalikulusstenosen Minimalinvasiv, schnelle Durchführung Hohe Rezidivrate (Wiederauftreten der Erkrankung)
Tränenpunktplastik Oberflächliche Tränenpünktchenverengung Verbesserung des Tränenabflusses ohne tiefe Eingriffe Eingeschränkte Wirksamkeit bei tieferen Stenosen
Dakryozystorhinostomie (DCR) Tränenwegsstenosen, chronische Dakryozystitis Erfolgsrate von bis zu 95 %, dauerhafte Lösung Invasiver Eingriff mit möglicher Narbenbildung
Tränenwegsprothese (Jones-Tube) Therapieresistente Tränenwegsobliteration Effektive Drainage bei kompletten Verschlüssen Hoher Pflegeaufwand, Risiko für Dislokation

Fazit

  • Die Wahl des operativen Verfahrens richtet sich nach dem Grad und der Lokalisation der Tränenwegsobstruktion.
  • Die Dakryozystorhinostomie (DCR) ist das Standardverfahren bei persistierender Epiphora durch Tränenwegsverschlüsse.
  • Tränenpunktplastik und Dilatation sind bei oberflächlichen Stenosen erste Optionen, jedoch mit erhöhter Rezidivrate.
  • Tränenwegsprothesen kommen als Ultima-Ratio-Verfahren beim Versagen anderer Therapien zum Einsatz.