Zur Prävention und Prophylaxe gehört das Einschätzen des individuellen Kariesrisikos.
Hierzu werden die bisher erhobenen Daten aus Anamnese und Befund herangezogen:
- Anamnese
- Befund
- Parodontale Erkrankungen
- Röntgenbefund
- Mundhygiene- und Plaqueindex
- Bisherige Karieserfahrung
- Soziales Umfeld
- Speichel und Mikroorganismen
- Ernährungsdaten
Basierend auf diesen Daten wird ein individuelles Präventionskonzept für den Patienten erstellt.
Prävention erfordert unterschiedliche Maßnahmen, je nach Zustand des einzelnen Patienten:
- Primär-Primär-Prävention versucht
- eine Infektion des Kindes solange wie möglich hinauszuzögern, indem bereits die schwangere Mutter intensiv betreut und soweit wie möglich behandelt und aufgeklärt wird.
- Neuerkrankungen zu verhindern (Mundhygiene, Ernährung, Flouridierung) - Sekundär-Prävention zielt auf frühzeitige Diagnostik der Erkrankung und Verhinderung einer Manifestation zur Begrenzung des Zahnhartsubstanzverlustes
- Tertiär-Prävention
Behandlung und Beseitigung von Schäden und Maßnahmen zur Verhinderung eines Wiederauftretens
Die vier tragenden Pfeiler der Kariesprävention sind:
- Mundhygienemaßnahmen
- Anwendung flouridhaltiger Kariostatika (Karieshemmer)
- Ernährungsberatung und -umstellung
- Fissurenversiegelung
Mundhygienemaßnahmen
Für den Patienten ist es beinahe unmöglich, die Plaque in nur einem Putzvorgang von allen Zähnen zu entfernen. Deshalb wird geraten, nach jeder Mahlzeit die Zähne zu putzen und zumindest einmal pro Tag (bevorzugt abends vor dem Schlafengehen) eine besonders intensive Zahnpflege zu betreiben. Es ist wichtig, beim Zähneputzen einer Systematik zu folgen, um alle Zähne gleichermaßen zu reinigen.
Mit der Zahnbürste allein ist es nicht möglich, die Zahnzwischenräume von Plaque und Speiseresten zu befreien. Hier sollte auf Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten zurückgegriffen werden.
Hilfsmittel:
- Handzahnbürste oder elektrische Zahnbürste
- Bei Prothesenträgern: spezielle Prothesenzahnbürste zur Reinigung der Prothese
- Flouridhaltige Zahncreme; bei kleinen Kindern sollte eine flouridreduzierte Zahncreme Anwendung finden
- Zahnseide
- Zahnzwischenraumbürsten
- Flouridhaltige Mundspüllösung
- Ggf. Munddusche
Achtung: Endokarditispatienten dürfen keine Munddusche verwenden, da dies zu einer Keimverschleppung führen kann.
Regelmäßige Professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt stellt eine unabdingbare Ergänzung zur häuslichen Mundhygiene dar. Dabei werden nicht nur die Strukturen gereinigt, es sollten auch immer erneute Beratungen zur Verbesserung der Mundhygiene erfolgen.
Anwendung flouridhaltiger Kariostatika (Karieshemmer)
Neben einer flouridhaltigen Zahnpasta und flouridhaltigen Mundspüllösungen gibt es auch noch stark mit Flourid angereicherte Gele, welche zur unterstützenden Therapie einmal pro Woche zur Zahnpflege eingesetzt werden können. Ihr Zahnarzt verfügt zusätzlich über hoch dosierte Flouridpräparate, die aber nur gezielt zum Einsatz kommen sollten.
Des Weiteren ist es möglich, mit flouridiertem Speisesalz zu kochen. Zusätzlich enthält das Trinkwasser von Region zu Region unterschiedlichen Anteil natürlich vorkommende Flouride. Eine weitere Flouridquelle stellt unsere tägliche Nahrung dar (Fisch, Fleisch, Gemüse etc. Besonders hoher Flouridgehalt: Grüner und schwarzer Tee).
Zur exakten Beratung über die individuell nötige Flouridmenge, sollte mit dem behandelnden Zahnarzt gesprochen werden.
Gerade bei Kleinkindern sorgt die richtig dosierte Flouridanwendung bei vielen Eltern für Verwirrung. Hier sollte auch unbedingt mit dem behandelnden Zahnarzt Rücksprache gehalten werden, damit alle Faktoren (Flouridgehalt des Trinkwassers, Speisesalz, Zahnpasta etc.) individuell miteinbezogen werden können.
Ernährungsberatung und -umstellung
Unter besonders kariogene (=kariesfördernde) Nahrung fallen:
- Kurzkettige Kohlenhydrate
- Saccharose
- Glucose, Maltose, Fructose, Lactose
- Stärke
z. B. Zucker, Kartoffelchips, Weißbrot, zuckerhaltige Fruchtsäfte und Limonaden, zuckerhaltige Bonbons, Süßigkeiten, Dörrobst
Achtung!
Bei kleinen Kindern führt das ständige Umspülen der Zähne mit zuckerhaltigen Getränken zu massiver Milchzahnkaries (sog. „Nursing bottle-Syndrom“). Beachten Sie: Auch sogenannte zuckerfreie Fruchtsäfte enthalten natürlichen Fruchtzucker und Fruchtsäure.
Besonders süße Zwischenmahlzeiten, die eine Kombination aus hohem Zuckergehalt und häufiger Aufnahme darstellen, sind als besonders kariesfördernd zu bewerten.
Beim Einkauf von Süßigkeiten sollte man z. B. auf das sogenannte Zahnmännchen achten. Dies kennzeichnet zuckerfreie Lebensmittel.
Des Weiteren ist natürlich eine gesunde und ausgewogene Ernährung nicht nur im Hinblick auf gesunde Zähne wichtig. Der ganze Körper profitiert von einer bewussten Ernährung. Auch die zusätzliche Zufuhr von Vitalstoffen (Makro- und Mikronährstoffe) ist dabei sehr hilfreich (siehe Mikronährstofftherapie).
Fissurenversiegelung
Besonders Grübchen und Fissuren der Zähne sind anfälliger für Karies als andere Bereiche. Ziel der Versiegelung ist es, diese Bereiche vor einem Zutritt von Plaque und Bakterien zu verschließen.











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