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Kreatinin

Bei Kreatinin handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, welches mit dem Harn ausgeschieden wird (harnpflichtig).

Kreatinin wird im Muskelgewebe aus Kreatin gebildet. Kreatin selbst ist eine Substanz in den Muskeln, die der Energiespeicherung dient. Sie wird unter Belastung wieder abgegeben und renal als Kreatinin ausgeschieden.

Kreatinin ist ein Marker zur Abschätzung der glomerulären Filtrationsleistung der Nieren.

Die Bestimmung erfolgt mit der Jaffé-Methode, einem Farbtest, bei dem durch Zugabe von Pikrinsäure ein gelb-orange gefärbter Creatinin-Pikrinsäure-Komplex gebildet wird.

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • Blutserum
  • 24h-Urin

Vorbereitung des Patienten

  • Nicht nötig       

Störfaktoren

Falsch hohe Werte können bei der Einnahme der folgenden Medikamente/Substanzen ermittelt werden:

  • Ascorbinsäure (Vitamin C)
  • Cephalosporine – Gruppe von Antibiotika; dazu zählen vor allem Cefazolin, Cefoxitin und Cephalotin
  • Cimetidin (Antiallergikum)
  • Cotrimoxazol (Antibiotikum)
  • Cyclosporin (Immunsuppressivum)
  • Flucytocin (Antimykotikum – Mittel gegen Pilzinfektionen)
  • Ketonkörper (Stoffwechselabbauprodukte)
  • Methoxyfluran (Anästhetikum)
  • Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Fenoprofen, Indometacin oder Naproxen
  • Zuckerstoffe wie Glucose und Fructose

Normwerte bei Kindern – Blutserum

Alter Normwerte in mg/dl Normwerte in μmol/l
Neugeborene 0,66-1,09 58,34-93,70
1. Lebensmonat (LM) 0,5-1,2 44,2-106,08
1.-3. Lebensjahr (LJ) 0,4-0,7 35,36-61,88
4.-6. LJ 0,5-0,8 44,2-70,72
7.-9. LJ 0,6-0,9 53,04-79,56
10.-12. LJ 0,6-1,0 53,04-88,40
13.-15. LJ 0,6-1,2 53,04-106,08
16.-18. LJ 0,8-1,4 70,72-123,76

Normwerte bei Erwachsenen – Blutserum

Geschlecht Normwerte in mg/dl Normwerte in μmol/l
Weiblich 0,66-1,09 58,34-93,70
Männlich, < 50. LJ 0,84-1,25 74,25-110,50
Männlich, > 50. LJ 0,81-1,44 71,60-127,30

Normwerte – Urin

Geschlecht Normwerte in g/24h
Weiblich 1,0-1,3
Männlich 1,5-2,5

Indikationen

  • Verdacht auf Nierenerkrankungen jeglicher Art
  • Verdacht auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Hyperurikämie (Harnsäurestoffwechselstörung)
  • Verdacht auf Kollagenosen – Gruppe von mehreren Erkrankungen wie Lupus erythematodes oder Sklerodermie, die durch Autoimmunprozesse bedingt sind und zu systemischen Krankheitszeichen führen
  • Verdacht auf Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Verdacht auf eine Schocksymptomatik
  • Verdacht auf toxische Nierenschädigung durch Medikamente, exogene Gifte oder andere Stoffe
  • Hämolyse (vermehrter Abbau von roten Blutkörperchen)
  • Myolyse (Zerstörung und Auflösung von Muskulatur)
  • Überwachung der Nierenfunktion bei der Gabe nephrotoxischer Medikamente

Sowie zur Therapiekontrolle der oben genannten Erkrankungen.

Interpretation

Interpretation erhöhter Werte

Akutes Nierenversagen (ANV)

Prärenal

  • Schock jeglicher Art
  • Exsikkose – Austrocknung durch Flüssigkeitsmangel
Renal
  • Akutes Nierenversagen durch verschiedenste Auslöser wie Medikamente (s. o.) oder Sepsis (Blutvergiftung)
  • Chronische Niereninsuffizienz – abnehmende Funktionsfähigkeit der Nieren
  • EPH-Gestose
  • Hämolyse
  • Myolyse
  • Plasmozytom
  • Rapid progressive Glomerulonephritis
  • Schwermetallintoxikation
  • Sepsis
Postrenal
  • Verlegung der Harnwege durch Steine, Tumore oder ähnliches
  • Opiate
  • Parasympatholytika
Chronische Niereninsuffizienz
  • Diabetische Nephropathie (Kimmelstiel-Wilson-Syndrom)
  • Glomerulonephritiden
  • Hypertonie
  • Interstitielle Nephritiden
  • Kollagenosen
  • Plasmozytomniere (Ig-Leichtketten-Proteinurie)
  • Renovaskuläre Nierenerkrankungen
  • Zystennieren

Weitere Ursachen

  • Muskelmasse ↑ 
  • Akromegalie – vermehrtes Wachstum der Körperendglieder durch vermehrte Wachstumshormonproduktion
  • Siehe oben "Störfaktoren"

Interpretation erniedrigter Werte

  • Muskelatrophie – Abbau von Muskelmasse
  • Schwangerschaft
  • Untergewicht

Weitere Hinweise

  • Das Kreatinin steigt erst an, wenn die glomeruläre Filtrationsrate der Niere (≈ Funktionsfähigkeit der Niere) schon um die Hälfte abgenommen hat!
  • Das Urin-Kreatinin hat als einzelne Untersuchung nur eine sehr geringe Aussagefähigkeit; gleiches gilt für das Serum-Kreatinin, deren diagnostische Sensitivität zur Erkennung einer chronischen Nierenerkrankung (cN) zu niedrig ist  → besser Bestimmung der Kreatinin-Clearance aus dem 24h-Sammelurin
  • Zusätzlich sollte zum Serum-Kreatinin mittels der MDRD-Formel (Modification of Diet Renal Disease) die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) aus Serum-Parametern (Kreatinin, Harnstoff und Albumin) unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Hinweis auf schwarze Hautfarbe – nach den Europäischen Guidelines erfolgen; dieses ermöglicht eine frühere Erkennung der chronischen Nierenerkrankung.
    Achtung! Bei Normalpersonen bestimmt die MDRD-Formel die GFR zu niedrig; bei cN ist das Ergebnis im Sinne der Übereinstimmung akzeptabel.
  • Die Kreatinin-Bestimmung gehört zu den häufigsten Laborbestimmungen, jedoch wird mehr und mehr das Cystatin C als Nierenfunktionsmarker eingesetzt (dieser Parameter erkennt Einschränkungen früher!)
  • Bei Feststellung einer eingeschränkten Nierenfunktion (auf Grundlage der errechneten GFR) ist stets eine direkte Messung der GFR (Kreatinin-Clearance) erforderlich!

     
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
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