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Folgeerkrankungen
Morbus Crohn (Enteritis regionalis)

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen, die durch Morbus Crohn mit bedingt sein können:

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hyperoxalurie – zu hoher Blutoxalatspiegel mit der möglichen Folge von Harnsteinen
  • Kachexie – extreme Abmagerung

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Abszessbildung
  • Fisteln – röhrenförmige Verbindungsgänge zwischen Organen, z. B. enterovesikale Fistel = Verbindungsgang vom Darm in die Harnblase oder kutane Fistel – Verbindung vom Darm zur Haut
  • Intestinale Blutungen – Blutungen im Darm
  • Kurzdarmsyndrom
  • Mechanischer Ileus (Darmverschluss)
  • Perforation des Darms
  • Toxisches Megakolon (selten) – durch Toxine (Gifte) bedingte Weitstellung des Dickdarms

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Osteoporose (Knochenschwund) oder Osteopenie (Minderung der Knochendichte) – infolge der Malabsorption und/oder Kortikoid-Therapie

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

Weitere Folgen

Enterales Eiweißverlustsyndrom

Die Beeinträchtigung der Darmschleimhaut führt zu einem vermehrten intestinalen Eiweißverlust, da der Austritt von Plasmaproteinen durch die Darmschleimhaut ins Darminnere die Syntheserate der Eiweiße überschreitet. Die Abnahme der zirkulierenden Plasmaeiweiße geht meist mit einer schwer wiegenden Mangelversorgung mit Protein einher [2].
Der krankhafte Eiweißverlust kann durch eine gleichzeitig hohe Fettzufuhr über die Nahrung gefördert werden. Bei der Resorption langkettiger Fettsäuren wird der Lymphdruck gesteigert und es treten hohe Mengen an Lymphflüssigkeit ins Darminnere über. Infolge einer erhöhten Lymphkonzentrationen kommt es zu einem hohen enteralen Eiweißverlust und schließlich zu einer Abnahme der Plasmaproteine [2].
Der erhöhte intestinale Eiweißverlust führt letztlich zur einer Verringerung des onkotischen Drucks und somit – je nach Ausmaß der verminderten Konzentration der Plasmaproteine – Hypoproteinämie – zur Ausbildung von Ödemen [2].

Unzureichende Deckung des Energie- und Vitalstoffbedarfs (Mikronährstoffe)

Personen, die an Morbus Crohn erkranken, sind durch die gestörte Resorptionsfunktion und die hohen Wasser- und Vitalstoffverluste (Mikronährstoffe) über den Stuhl oftmals mit Energie und essentiellen Nähr- und Vitalstoffe (Makro- und Mikronährstoffe) unterversorgt. Insbesondere weisen Betroffene mit infektiösen Komplikationen und Abszessbildung einen gesteigerten Energiebedarf auf.

Die Mangelversorgung an Energie und wichtigen Nähr- und Vitalstoffe (Makro- und Mikronährstoffe) bei Morbus Crohn-Kranken ist häufig Folge von:

  • Einer erhöhten Ausscheidung mit dem Stuhl – chologene Diarrhoe, chologener Fettstuhl –, die zu hohen Verlusten von Makro- und Mikronährstoffen (Vitalstoffen) führt
  • Einer gestörten Resorption beziehungsweise einer verminderten Resorptionsfläche – neben ausgedehntem Bakterienbefall im Darminneren auch nach Resektion von Teilen des Dünndarms
  • Eines erhöhten Energiebedarfs bei Operationen sowie Blutvergiftung [1]
  • Eines Gallensäureverlustes
  • Eines vermehrten intestinalen Proteinverlustes – enterales Eiweißverlustsyndrom
  • Eingeschränkte Diätempfehlungen
  • Einseitiger Ernährung – erhöhter Gebrauch von raffinierten Kohlenhydraten, wie weißer Zucker (Saccharose), Weißmehlprodukte; geringer
  • Ballaststoffverzehr; hoher Konsum chemisch aufbereiteter Speisefette
  • Enteralen Fisteln, Abszesse, Fissuren sowie Stenosen
  • Gravierenden Störungen im Proteinstoffwechsel mit Verminderung des Gesamtproteins im Blut (Hypalbuminämie) – wird der Normalwert von Albumin im Blut von 3,6-5,0 g/dl unterschritten, vermindert sich der onkotische Druck und es kommt zur Ödembildung; zudem wird die Transportkapazität des Blutes aufgrund des Mangels an Transportplasmaproteinen, wie Transferrin, reduziert, wodurch der Organismus nur unzureichend mit lebenswichtigen Vitalstoffen (z.B. Eisen) versorgt werden kann
  • Nahrungsmittelintoleranzen, die mit Störungen der Makro- und Mikronährstoffresorption einhergehen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Negativen Stickstoffbilanz infolge des Proteinmangels im Körper – körpereigenes proteinreiches Gewebe, wie das Muskelgewebe, wird verstärkt abgebaut und der dabei anfallende Stickstoff ausgeschieden, so dass mehr Stickstoff ausgeschieden als aufgenommen wird
  • Ungenügender Zufuhr mit der Nahrung – Appetitmangel
  • Wenig abwechslungsreiche Ernährung mit Defiziten an Energie, Nähr- und Vitalstoffen – aus Angst vor Unverträglichkeiten mit darauf folgender Symptomatik – unter anderem Schmerzen, Erbrechen, Diarrhöen

Crohn-Kranke weisen häufig einen erhöhten Bedarf [2] auf an:

  • Vitamin A, D, E, K
  • Beta-Carotin
  • Vitamin C
  • Vitamin B2, B3, B6, B9, B12
  • Calcium
  • Magnesium
  • Phosphor
  • Kalium
  • Natriumchlorid
  • Eisen
  • Zink
  • Selen
  • Kupfer
  • Mangan
  • Molybdän
  • Sekundären Pflanzenstoffe, wie Carotinoide, Saponine, Sulfide und Polyphenole
  • Essentiellen Fettsäuren, wie Omega-3- und -6-Fettsäuren
  • Protein und wichtigen Aminosäuren
  • Ballaststoffen
  • Wasser

Beim aktiven Morbus Crohn werden häufig unter der Norm liegende Serumkonzentrationen von unter anderem Zink, Selen und Vitamin D beobachtet [5.1.].

Da Vitamin D oftmals in zu geringfügigen Mengen über die Nahrung aufgenommen wird – geringer Verzehr von Fisch, wie Aal und Hering – und die Sonnenlichtexposition vor allem während der Wintermonate gering ist, wird eine Vitamin D-Supplementation empfohlen [2].
Zudem tragen ständig wässrige Durchfälle zu den Vitalstoffdefizite (Mikronährstoffe) bei. Der vermehrte Verlust mit dem Stuhl erhöht den Bedarf an wasserlöslichen Vitaminen – Vitamin C, B-Vitamine – und an Elektrolyten, wie Calcium, Magnesium, Kalium sowie Natrium [3].



Literatur

  1. Biesalski, H. K., Fürst, P., Kasper, H., Kluthe, R., Pölert, W., Puchstein, Ch.,
    Stähelin, H., B.

    Ernährungsmedizin. Kapitel 27, 342-374
    Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999
  2. Kasper, H.
    Ernährungsmedizin und Diätetik. Kapitel 3, 145-171
    Urban & Fischer Verlag; München/Jena 2000
  3. Schmidt, Dr. med. Edmund, Schmidt, Nathalie
    Leitfaden Mikronährstoffe. Kapitel 5, 500-512
    Urban & Fischer Verlag; München, Februar 2004
     
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