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Ursachen
Asthma bronchiale

Asthma ist hauptsächlich eine Erkrankung der Bronchien – der Atemwege, die die Luftröhre mit der Lunge verbinden. Die Bronchien sind von glattem Muskelgewebe umgeben. Weiterhin befinden sich in den Bronchialwänden schleimproduzierende Drüsen und Zellen des Immunsystems wie Mastzellen, Lymphozyten und eosinophile Granulozyten. Wenn diese aktiviert werden, produzieren sie inflammatorische Mediatoren – chemische „Vermittler“ – wie Histamin und Leukotriene, welche sich an Rezeptoren innerhalb der Bronchien binden.

Während eines Asthmaanfalls geschieht eine Abfolge von Ereignissen, die in der Produktion von Histamin und Leukotrienen mündet. Leukotriene werden aus Arachidonsäure gebildet. Diese inflammatorischen Mediatoren bedingen Veränderungen des bronchialen Gewebes: es resultiert eine dramatische Erhöhung der Schleimproduktion und eine gleichzeitige Verengung der Atemwege.

In den folgenden Stunden wandern „Entzündungszellen“ in das betroffene Gebiet ein, kleine Blutgefäße werden durchgängig für Flüssigkeit und es wird direkt Gewebe geschädigt. Dadurch wird der Entzündungsprozess und die Schwellung aufrecht erhalten.

Der Patient keucht und hustet. Die Luft ist „gefangen“ in den kleinen Lungenbläschen oder den kleineren Bronchialästen. Dadurch kann weniger Sauerstoff ausgetauscht werden und evtl. steigen so die Blutwerte für Kohlendioxid (CO2) an und die Werte für Sauerstoff (O2) fallen.

Der Sauerstoffverbrauch steigt zudem an durch die gesteigerte Muskelarbeit, die nötig ist, um einen ausreichenden Luftaustausch zu gewährleisten.


Die Ursache der Überempfindlichkeit der Bronchien bei Asthmatikern ist noch nicht vollständig wissenschaftlich geklärt. Die sogenannten T-Zellen des Immunsystems scheinen jedoch eine zentrale Rolle zu spielen.

Ursachen im Überblick

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastungen – Asthma bronchiale tritt unzweifelhaft in familiärer Häufung auf. Das Risiko, an Asthma zu erkranken, steigt, wenn ein oder beide Elternteile an Asthma leiden, stark an. So ist zum Beispiel das Risiko erhöht, wenn bereits allergischer Heuschnupfen oder allergischer Hautausschlag in der Familie aufgetreten sind.
  • Mutationen im Chromosom 17q21 – bei Kindern ist in solchen Fällen das Risiko, innerhalb der ersten vier Lebensjahre Asthma zu entwickeln, deutlich erhöht; noch viel größer ist das Erkrankungsrisiko, wenn solche Kinder in einem Haushalt mit Rauchern aufwachsen [5].
Verhaltensbedingte Ursachen
  • Ernährung
    - Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – manche Patienten mit Asthma bronchiale haben einen Mangel an Vitamin B6, Ascorbinsäure oder Magnesium – siehe Mikronährstofftherapie
  • Genussmittelkonsum
    Tabak 
    (Rauchen) [2, 3]
    Bei mehr als 70 Prozent der Asthmapatienten ist ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Asthma nachweisbar! Auch Kinder von rauchenden Eltern haben ein stark erhöhtes Asthmarisiko.
  • Körperliche Aktivität
    -
    Körperliche Anstrengung – Tritt ein Asthmaanfall etwa fünf Minuten nach Beendigung einer körperlichen Belastung oder bei Belastung auf, spricht man vom anstrengungsbedingten Asthma.
  • Psycho-soziale Situation
    Stress  unstrittig ist, dass emotionale Faktoren den Verlauf der Krankheit wesentlich beeinflussen.
  • Übergewicht (BMI >= 25; Adipositas) Übergewichtige haben ein dreifach höheres Risiko an Asthma bronchiale zu erkranken. Übergewicht kann in der Lunge ein Gen aktivieren, das Entzündungen in der Lunge steuern kann.

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Infektionen der Atemwege
    Das infektbedingte Asthma bronchiale tritt erstmalig nach einem bronchopulmonalen Infekt auf. Sowohl virale (z. B. Rhinoviren) als auch bakterielle Atemwegsinfektionen gelten als mögliche Auslöser.
  • Refluxkrankheit (Synonyme: GERD; Gastro-oesophageal reflux disease; Gastroesophageal Reflux Disease (GERD); Gastroösophageale Refluxkrankheit (Refluxkrankheit); Gastroösophagealer Reflux)
Medikamente
  • Asthma kann auch durch die Einnahme von Analgetika (Schmerzmittel) ausgelöst werden – analgetikabedingtes Asthma bronchiale. Dazu zählen z. B. ASS Acetylsalicylsäure sowie andere Antiphlogistika entzündungshemmende Medikamente, die in den Prostaglandinstoffwechsel eingreifen.
  • Auch Betablocker lösen häufig Asthmaanfälle aus!
  • Paracetamol (Kinder, die in den ersten Lebensjahren Paracetamol bekommen haben, erkranken später häufiger an Asthma bronchiale und allergische Rhinitis [4])

Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Allergene beim allergischen Asthma bronchiale
    Dazu zählen unter anderem:
    -
    Pollen
    - Haustaubmilbenkot

    -
    Tierische Allergene
    -
    Federn
    -
    Schimmelpilzsporen
    -
    Nahrungsmittelallergene
    -
    Insekten-Allergene
  • Berufsbedingte Exposition
    In einigen Berufsgruppen tritt Asthma aufgrund von häufigem Kontakt mit allergisierenden, irritativen oder toxischen (giftigen) Substanzen gehäuft auf. Dieses sind z. B. Metallsalze – Platin, Chrom, Nickel –, Holz- und Pflanzenstäube, Industriechemikalien. Bekannt ist auch das sogenannte Bäcker-Asthma, Pilzasthma und auch Menschen, die mit Isocyanaten arbeiten, leiden häufig an Asthma.
  • Aufhalten in einer luft- und umweltverschmutzten Umgebung (Abgase, Feinstaub, Smog, Ozon, Tabakrauch)
  • Wiederholte Exposition gegenüber den auslösenden Allergenen (z.B. chloriertes Wasser in Schwimmbädern) – z. B. Babyschwimmen
    Chloriertes Wasser in Schwimmbädern erhöht das Risiko für Rhinitis allergica (Heuschnupfen) und kann bei Disposition die Anfallshäufigkeit bei Asthma bronchiale erhöhen. Die Ursache dafür ist wahrscheinlich, dass Chlorverbindungen die Barriere des Lungenepithels schädigen und dadurch das Eindringen von Allergenen erleichtern. Seit 1980 darf das Wasser in Schwimmbädern nach DIN-Norm höchstens 0,3 bis 0,6 mg/l freies und 0,2 mg/l gebundenes Chlor bei einem pH zwischen 6,5 und 7,6 enthalten.
  • Haushaltssprays eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung: Bei Personen, die mindestens einmal wöchentlich Haushaltssprays benutzten, war das Asthma-Risiko um die Hälfte höher als bei Teilnehmern, die darauf verzichteten; viermal pro Woche Einsatz von Haushaltssprays führte bereits zur Verdoppelung des Asthma-Risikos! [1]


Literatur

  1. Zock JP, Plana E, Jarvis D, Antó JM, Kromhout H, Kennedy SM, Künzli N, Villani S, Olivieri M, Torén K, Radon K, Sunyer J, Dahlman-Hoglund A, Norbäck D, Kogevinas M.
    The use of household cleaning sprays and adult asthma: an international longitudinal study.
    Am J Respir Crit Care Med. 2007 Oct 15;176(8):735-41. Epub 2007 Jun 21
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum
    Tabakatlas Deutschland 2009. Heidelberg,
    http://www.tabakkontrolle.de/pdf/Tabakatlas_2009.pdf (abgerufen am 20.11.2009)
  3. Secretan B, Straif K, Baan R et al. (2009)
    A review of human carcinogens – Part E: tobacco, areca nut, alcohol, coal smoke, and salted fish.
    Lancet Oncol, 10, 1033-1034
  4. Beasley R, Clayton T, Crane J, von Mutius E, Lai CK, Montefort S, Stewart A; ISAAC Phase Three Study Group.Collaborators  
    Association between paracetamol use in infancy and childhood, and risk of asthma, rhinoconjunctivitis, and eczema in children aged 6-7 years: analysis from Phase Three of the ISAAC programme. Lancet. 2008 Sep 20;372(9643):1039-48.
  5. Bouzigon E, Corda E, Aschard H, Dizier MH, Boland A, Bousquet J, Chateigner N, Gormand F, Just J, Le Moual N, Scheinmann P, Siroux V, Vervloet D, Zelenika D, Pin I, Kauffmann F, Lathrop M, Demenais F.
    Effect of 17q21 variants and smoking exposure in early-onset asthma. 

    N Engl J Med. 2008 Nov 6;359(19):1985-94. Epub 2008 Oct 15
     
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