Die Ursachen der Pankreatitis sind vielfältig – siehe Risikofaktoren – wobei zwei Hauptursachen von besonderer Bedeutung sind, nämlich der Alkoholmissbrauch und weiterhin das Gallensteinleiden. Die pathophysiologischen Mechanismen, durch die diese Bedingungen jedoch eine Pankreatitis auslösen, sind jedoch weiterhin noch nicht vollständig wissenschaftlich geklärt.
Ursachen für eine Pankreatitis sind:
- Akute Pankreatitis – in 30-50 % der Fälle ein Gallengangsstein
- Akute/chronische Pankreatitis – 30-50 % der Fälle chronischer Alkoholabusus
- Seltenere Ursachen sind: Virusinfektionen z. B. Hepatitis, Mumps; Hyperlipoproteinämie (Fettstoffwechselstörungen), Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüse); Operationstraumen
Man geht davon aus, dass der Entzündungsprozess durch eine Autodigestion (Selbstverdauung) des Organs durch Enzyme wie Trypsinogen, Chymotrypsinogen, Proelastase u. a. ausgelöst und aufrecht erhalten wird. Dabei läuft eine sogenannte Reaktionskaskade ab – Enzyme aktivieren sich gegenseitig.
Biographische Ursachen
- Duodenaldivertikel – angeborene Aussackungen des Zwölffingerdarms
- Hereditäre (vererbte) Form der Pankreatitis – autosomal dominante Erkrankung, heterozygote Mutationen im kationischen Trypsinogen (PRSS1)-Gen auf Chromosom 7 bzw. am Serin-Protease-Inhibitor (SPINK1)-Gen oder am pankreatisch-sekretorischen Trypsin-Inhibitor (PSTI)-Gen auf Chromosom 5
- Pankreas divisum – angeborenes „geteiltes“ Pankreas
- Schwangerschaft – kann unter anderem zu Fettleber führen. Eine Pankreatitis kann aber auch bei einer unkomplizierten Schwangerschaft auftreten und ist dann meistens mit einem Gallensteinleiden vergesellschaftet
- Strikturen – Verwachsungen des Pankreas
Verhaltensbedingte Ursachen
- Ernährung
- Fehl- und Mangelernährung – proteinarme (eiweißarme) Ernährung
- Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – siehe Mikronährstofftherapie - Genussmittelkonsum
- Alkohol* (Missbrauch)
- Tabak (Rauchen) – erhöht das Risiko für eine chronische Pankreatitis und beschleunigt das Fortschreiten der Erkrankung - Stumpfes Bauchtrauma – z. B. Stoß in den Bauch – insbesondere bei Kindern wichtiger Risikofaktor
- Übergewicht (BMI >= 25; Adipositas) – ist nicht nur ein Risikofaktor in der Entwicklung von lokalen (örtlichen) und systemischen Komplikationen, sondern erhöht auch die Mortalität [1]
Krankheitsbedingte Ursachen
- Bakterielle Infektionen wie beispielsweise Mykoplasmen, Campylobacter, Mykobakterium-avium-Komplex, Tuberkulosebakterien, Legionellen
- Cholezystolithiasis (Gallensteinleiden*)
- Chronische Niereninsuffizienz
- Colitis ulcerosa
- Diabetes mellitus
- Enteritis (Darmentzündung)
- Hämochromatose – kann zu chronischer Pankreatitis führen
- Hämolytisch-urämisches Syndrom
- Hepatitiden – virale Leberentzündungen
- Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüse) – führt zu Hyperkalzämie
- Hypothermie Schock, Hypoxie – Sauerstoffmangel im Schockzustand
- Kawasaki-Syndrom – akute, fieberhafte, systemische Erkrankung, die durch eine nekrotisierende Vaskulitis (Gefäßentzündung) der kleinen und mittleren Arterien gekennzeichnet ist
- Kollagenosen und Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) – z. B. bei systemischem Lupus erythematodes, nekrotisierender Angiitis
- Morbus Crohn
- Mukoviszidose (cystische Fibrose) – genetischer Defekt, der sich vor allem durch die Produktion von zu zähem Schleim zeigt
- Parasiten in Gallengängen, wie z. B. Ascariasis, Clonorchiasis
- Purpura Schönlein-Henoch
- Reye-Syndrom
- Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür)
- Virale Infektionen wie beispielsweise Mumps, Coxsackie-Virus, Hepatitis, HIV, Cytomegalievirus, Adenoviren
Labordiagnosen – Laborparameter, die als unabhängige Risikofaktoren/Ursachen gelten
- Apolipoprotein-CII-Mangel
- Hyperkalzämie
- Hypertriglyzeridämie
Medikamente
- Asparaginase, Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Furosemid, Thiaziddiuretika, Glucocorticoide, Tetracycline, Sulfamethoxazol, Trimethoprim, Valproat, Carbamazepin, Propofol, Östrogene inkl. Antibabypille, Pentamidin, Dideoxyinosin
- Wahrscheinlich auch ein Zusammenhang mit Nitrofurantoin, Methyldopa, ASS, Erythromycin, Salicylaten, Metronidazol, nicht-steroidalen Antiphlogistika, ACE-Hemmern
Operationen – Untersuchungen
- Abdominalchirurgische Eingriffe – postoperative Pankreatitis, z. B. nach Magenoperation
- Intraoperative endoskopische Untersuchungen – Spiegelung der Gallen- u. Pankreaswege, z. B. nach ERCP (Endoskopisch retrograder Cholangio-Pankreatiko-Graphie)
- Zustand nach Nierentransplantation – bei etwa 3 % der Nierentransplantierten entwickelt sich eine Pankreatitis
* Hauptrisikofaktoren – Alkoholabusus und Gallensteinleiden verursachen zusammengenommen ca. 70-80 % aller akuten Bauchspeicheldrüsenentzündungen
Literatur
- Martinez J, Johnson CD, Sanchez-Paya J, de Madaria E, Robles-Diaz G, Perez-Mateo M.
Obesity is a definitive risk factor of severity and mortality in acute pancreatitis: an updated meta-analysis.
Pancreatology. 2006;6(3):206-9. Epub 2006 Mar 17.











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