Die γ-GT ist ein Leberenzym, das zur Überprüfung der Leberfunktion bereits seit vielen Jahren standardmäßig in der klinischen Routine gemessen wird.
Es gehört zu einer Gruppe von Peptidasen, die den Transfer von Aminosäuren von einem Peptid zu einem anderen durchführen und somit als Aminosäurentransferasen wirken. Sie wird vor allem bei Verdacht sowie zur Verlaufsbeurteilung von Leber- und Gallenwegserkrankungen bestimmt.
Synonyme
- γ-GT (Gamma-GT)
- γ-Glutamyltranspeptidase (γ-GTP)
- Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT)
Die γ-GT-Bestimmung ist indiziert bei (γ-GT erhöht):
- Akute und chronische Virushepatitis (durch Viren verursachte Leberentzündung)
- Akute Alkoholhepatitis (durch Alkohol verursachte Leberentzündung)
- Toxische Leberschädigung (z.B. Alkoholismus)
- Cholestase (Gallestauung), z. B. bei Cholezystitis (Gallenblasenentzündung), Pankreaskopfkarzinom Bauchspeicheldrüsenkopfkrebs) oder Cholangitis (Entzündung der Gallengänge)
- Akute und chronische Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
- Leberzirrhose (fortgeschrittenes Stadium oder Endstadium verschiedener Lebererkrankungen, die die Leberstruktur zerstören)
- Steatosis hepatis (Fettleber)
- Primäre Lebertumoren und Lebermetastasen
- Akute Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), nephrotisches Syndrom – Sammelbegriff für Symptome, die bei verschiedenen Erkrankungen des Glomerulums (Nierenkörperchen) auftreten; Symptome sind: Proteinurie (Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin) mit einem Proteinverlust von mehr als 1g/m²/Körperoberfläche pro Tag; Hypoproteinämie, periphere Ödeme durch eine Hypalbuminämie von < 2,5 g/dl im Serum, Hyperlipoproteinämie (Fettstoffwechselstörung)
- Steatosis hepatis (Fettleber)
- Chronische und akute Durchblutungsstörungen der Leber, z. B. bei chronischer Rechtsherzinsuffizienz, Pfortaderthrombose
- Diabetes mellitus – bei bis zu 57 % der Diabetiker, insbesondere bei denjenigen mit Gefäßerkrankungen, liegen leicht erhöhte γ-GT-Werte vor, ohne dass klinische Zeichen einer Lebererkrankung vorliegen
- Hirntumor, Hirnblutungen – leichte γ-GT-Anstiege können vorkommen
- Infektiöse Mononukleose (Synonyme: Pfeiffer-Drüsenfieber; Pfeiffersches Drüsenfieber; Mononukleose; Mononucleosis infectiosa; Monozytenangina; Morbus Pfeiffer) – Viruserkrankung, die durch das Epstein-Barr-Virus hervorgerufen wird
- Myokardinfarkt (Herzinfarkt) – bei circa 50 % der Patienten wird ein γ-GT-Anstieg mit Maximum in der 2. Woche gemessen
- Einnahme von Medikamenten – z. B. Phenytoin, Phenobarbital, Thyreostatika, anabole Steroide, Thiazid-Diuretika, Meprobamat, Phenothiazine, Azathioprin, Ifosfamid, Streptokinase, Diäthylpentamid, Aminopyrin, MAO-Hemmer, Tuberkulostatika, Antirheumatika
- Exposition gegenüber Chemikalien – z. B. Chlorkohlenwasserstoffe, Vinylchlorid, Trichloräthylen
Benötigtes Material
0,5 ml SerumNormalwerte
| Alter |
Norm – Weiblich | Norm – Männlich |
| Erwachsene | bis 39 U/L | bis 66 U/L |
| 13-17 Jahre |
bis 38 U/L |
bis 52 U/L |
| 7-12 Jahre |
bis 19 U/L |
bis 19 U/L |
Die γ-GT-Wert ein Indikator für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Koronare Herzerkrankung (KHK), Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder Apoplex (Schlaganfall).
Obwohl der Zusammenhang von Alkoholkonsum und kardiovaskulären Erkrankungen Gegenstand unzähliger Studien war, gab es bisher nur wenige Studien, die einen Zusammenhang von erhöhter γ-GT und Herzerkrankungen oder Apoplex untersucht haben oder ihm eine Bedeutung beigemessen hätten.Die Studie der Forschergruppe um Hanno Ulmer, Professor für Medizinische Statistik an der Medizinischen Universität Innsbruck, und seiner Kollegen von der Universität Ulm gilt als evident [2]. Die Studie stützt sich auf die Analyse von knapp 164.000 Österreichern (89.000 Frauen und 75.000 Männer), die zwischen 1985 und 2001 in Vorarlberg durchgeführt und vom Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin gesammelt, dokumentiert und ausgewertet wurden.
Männer mit erhöhter γ-GT (γ-GT>28 U/I) hatten ein um 28 Prozent erhöhtes Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, Männer mit stark erhöhter γ-GT (γ-GT>56 U/I) sogar ein um 64 Prozent erhöhtes Risiko Bei Frauen war das Risiko um 35 Prozent (γ-GT>18 U/I) beziehungsweise um 51 Prozent (γ-GT>36 U/I) erhöht.
Eine erhöhte γ-GT bei jüngeren Personen stellte eine noch höhere Risikokonstellation dar als bei Älteren. Männer mit erhöhter γ-GT zeigten eine erhöhte Mortalität bei chronischen Koronarerkrankungen (Herzkranzgefäßerkrankungen), Herzinsuffizienz (Herzschwäche), ischämischen und hämorrhagischen Insulten (Schlaganfall durch Gefäßverschluss; Hirnblutung). Kein statistisch signifikanter Effekt zeigte sich bei akuten Koronarerkrankungen (z. B. Myokardinfarkt/Herzinfarkt) oder anderen Formen der Herzerkrankungen.
Frauen mit erhöhtem γ-GT wiesen für alle Formen von Herzerkrankungen ein erhöhtes Risiko auf. Statistisch nicht signifikant war dieser Zusammenhang bei Todesfällen durch Gehirnschlag. Die γ-GT zeigte sich als ein statistisch unabhängiger Risikofaktor.
Auch die Einberechnung von Alter, Geschlecht, Rauchen, Blutdruck, Cholesterin, Triglyceriden, Glucose und Sozialstatus änderten nichts an dieser Einschätzung. Erhöhtes γ-GT war im Vergleich zu den etablierten Risikofaktoren gesehen ein relativ starker Risikofaktor und rangierte bezüglich des Risikos an 3. Stelle nach Rauchen und Hypertonie, jedoch noch vor erhöhter Blutglucose, Cholesterin und Triglyceriden.
Die Studienergebnisse zeigten eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen γ-GT und kardiovaskulären Todesursachen. Das Muster (je höher die γ-GT, desto höher die Mortalität) zeigte sich konsistent über die verschiedenen Subtypen der Herzkreislauferkrankungen.
Männer mit einer γ-GT von mehr als 55 U/l hatten ein 1,6fach höheres Sterberisiko als mit niedrigen Werten unter 14 U/l, während Frauen mit mehr als 35 U/l ein 1,5fach höheres Mortalitätsrisiko als bei Werten unter 9 U/l aufwiesen.
Die γ-GT scheint direkt am Mechanismus der Atherosklerose-Entstehung (Arteriosklerose; Arterienverkalkung) beteiligt zu sein. So sei sie beispielsweise in zerebralen, koronaren und Carotiden-Plaques (Gefäßablagerungen in der Halsschlagader) gefunden worden und würde dort die oxidativen Vorgänge anstoßen.
Literatur
- Thomas, L
Labor und Diagnose: Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik.
5. erweiterte Auflage, Frankfurt/Main: TH-Books-Verl.-Ges., 2000
- Ruttmann E, Brant LJ, Concin H, Diem G, Rapp K, Ulmer H
gamma-Glutamyltransferase as a Risk Factor for Cardiovascular Disease Mortality. An Epidemiological Investigation in a Cohort of 163 944 Austrian Adults.
Circulation. 2005 Sep 26; [Epub ahead of print]












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