Harnsäure entsteht als Endprodukt des Abbaus von Purinen in Leber und Darm. Pro Tag werden etwa 700 mg Harnsäure gebildet.
Purine werden mit der Nahrung aufgenommen. Purinreiche Lebensmittel sind Innereien, Hirn, Fisch, Geflügel und Schweinefleisch und Hülsenfrüchte. Purinarm sind Obst und Gemüse, purinfreie Eiweißquellen sind Milch, Käse und Eier.
Biographische Ursachen
- Genetik – genetisch bedingte Leistungseinschränkung des aktiven Sekretionsprozesses im Nierentubulus, Enzymdefekte; zur Störung der renalen Ausscheidung der Harnsäure führt eine Genvariante des Fructose-Transporter-Gens SLC2A9 [1]
- Familiäre Belastung – sind Verwandte betroffen, erhöht sich das eigene Risiko
- Alter – bei Frauen treten Gichtanfälle erst nach der Menopause (Wechseljahre) auf
- Geschlecht – Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen
Verhaltensbedingte Ursachen
- Ernährung
- Erhöhte Purinaufnahme mit der Nahrung, z. B. durch übermäßigen Fleischkonsum (besonders Innereien)
- Zuckeraustauschstoffe Sorbit, Xylit und Fructose in hohen Dosen
- Fructosehaltige Getränke führen bei circa 5 % der Patienten zum Anstieg der Harnsäure-Serumspiegel – wegen Vorliegen einer Genvariante des Fructose-Transporter-Gens SLC2A9 – diese führt zur Störung der renalen Ausscheidung der Harnsäure [1]
- Fettreiche Ernährung
- Fasten
- Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – siehe Mikronährstofftherapie - Genussmittelkonsum
- Alkohol (Missbrauch) (Frau: > 40 g/Tag; Mann: > 60 g/Tag) - Übergewicht (BMI >= 25; Adipositas)
Krankheitsbedingte Ursachen
- Alkoholintoxikation (Alkoholvergiftung)
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- Bartter-Syndrom – sehr seltene Stoffwechselerkrankung mit u.a. Hyperaldosteronismus und in Folge dessen Hypokaliämie
- Chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
- Gestörte Glucosetoleranz bis zum Diabetes mellitus
- Glykogenose – Glykogenspeicherkrankheit – Typ I, III, V und VII
- Hämolytische Erkrankungen – Bluterkrankungen
- Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion)
- Hypertriglyzeridämie – erhöhte Triglyceride (Blutfette)
- Lymphoproliferative Erkrankungen
- Malignome – Krebserkrankungen
- Myeloproliferative Erkrankungen – bösartige Erkrankungen blutbildender Organe
- Polyzystische Nierenerkrankung
- Psoriasis (Schuppenflechte)
- Tumorlyse-Syndrom – lebensbedrohlicher Zustand, der beim raschen Zerfall von Tumoren (meist unter chemotherapeutischer Behandlung) auftreten kann
- Verminderte tubuläre Uratausscheidung – z. B. bei Keto- oder Laktatazidose, Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
- Verstärkte Uratresorption – z. B. bei Dehydratation (Wasserverlust), Diuretikaeinnahme – Einnahme entwässernder Medikamente
Medikamente
- Acetylsalicylsäure/Aspirin (500-1.000 mg/die)
Ciclosporin - Diazoxid
- Diuretika wie Furosemid, Hydrochlorothiazid (Thiazide hemmen die Harnsäureausscheidung)
- Ethambutol
- Nikotinsäure
- Propranolol
- Pyrazinamid
- Salicylate
- Zytostatika (Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen)
Strahlentherapie
- Eine Strahlentherapie geht häufig mit einem erhöhte Nekrolyse (Gewebeuntergang) einher
Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Beryllium
- Blei – Blei-Nephropathie (Erkrankung der Nieren durch eine Bleivergiftung)
Literatur
- Vitart V, Rudan I, Hayward C, Gray NK, Floyd J, Palmer CN, Knott SA, Kolcic I, Polasek O, Graessler J, Wilson JF, Marinaki A, Riches PL, Shu X, Janicijevic B, Smolej-Narancic N, Gorgoni B, Morgan J, Campbell S, Biloglav Z, Barac-Lauc L, Pericic M, Klaric IM, Zgaga L, Skaric-Juric T, Wild SH, Richardson WA, Hohenstein P, Kimber CH, Tenesa A, Donnelly LA, Fairbanks LD, Aringer M, McKeigue PM, Ralston SH, Morris AD, Rudan P, Hastie ND, Campbell H, Wright AF.
SLC2A9 is a newly identified urate transporter influencing serum urate concentration, urate excretion and gout.
Nat Genet. 2008 Apr;40(4):437-42. Epub 2008 Mar 9.











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