Polyzystisches-Ovar-Syndrom (PCO-Syndrom) – Einleitung

Das Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS), international zunehmend als Polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom (PMOS) (hormonelles und stoffwechselbezogenes Ovarsyndrom) bezeichnet, beschreibt einen chronischen (lang anhaltenden), heterogenen (uneinheitlichen), polyendokrinen (mehrere Hormonsysteme betreffenden) und metabolischen (stoffwechselbezogenen) Symptomenkomplex (Beschwerdebild) mit ovarieller Beteiligung (Beteiligung der Eierstöcke) [3].

Synonyme und ICD-10: Polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom (PMOS); Polyendocrine Metabolic Ovarian Syndrome; Polycystic ovary syndrome; Polycystisches Ovarsyndrom; Polyzystisches Ovarialsyndrom; Polyzystisches Ovar Syndrom; Polyzystische Ovarien; Polyzystische Ovarkrankheit; Polyzystisches Ovar Syndrom (PCO-Syndrom); Polyzystisches-Ovar-Syndrom; Stein-Leventhal-Syndrom; ICD-10-GM E28.2: Syndrom polyzystischer Ovarien

Hinweis zur Nomenklatur: Im Mai 2026 wurde im Rahmen eines internationalen Konsensusprozesses (Einigungsprozesses) die neue Bezeichnung Polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom (PMOS) für das bisherige Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS) konsentiert. Die neue Bezeichnung soll die endokrinen (hormonellen), metabolischen, ovariellen (die Eierstöcke betreffenden) und psychosozialen (seelische und soziale Aspekte betreffenden) Manifestationen (Krankheitszeichen) besser abbilden und die irreführende Fokussierung auf „Zysten“ (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) vermeiden. Die Implementierung (Einführung) ist als dreijährige Übergangsphase mit geplanter vollständiger Aufnahme in die internationale Leitlinie 2028 vorgesehen. Bis zur formalen Anpassung von Leitlinien, ICD-Klassifikation und nationaler Terminologie sollte im deutschsprachigen Kontext weiterhin die Doppelnennung PCOS/PMOS verwendet werden [3].

Definition des PCOS/PMOS

Das PCOS/PMOS ist eine chronische, heterogene, polyendokrine und metabolische Erkrankung (Krankheit) mit ovarieller Beteiligung.

Kriterien zur Diagnose (Klassifikation):

Nach dem National Institute of Health (NIH) besteht ein PCOS/PMOS, wenn:

  1. Eine Hyperandrogenämie (erhöhter Spiegel männlicher Hormone) nachgewiesen ist oder, auch bei normalen Androgenspiegeln (Spiegel männlicher Hormone), Androgenisierungserscheinungen (Vermännlichungszeichen) wie Hirsutismus (vermehrte Körperbehaarung nach männlichem Verteilungsmuster), Alopezie (Haarausfall) oder Akne vorliegen.
  2. Zyklusstörungen (Störungen des Monatszyklus) im Sinne einer Oligo-/Amenorrhoe (seltene oder ausbleibende Regelblutung) oder Oligo-/Anovulation (seltene oder ausbleibende Eisprünge) bestehen.

Nach dem Rotterdam Consensus Workshop 2003 („Rotterdamer Kriterien“) liegt ein PCOS/PMOS vor, wenn zwei der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind:

  1. Zyklusstörungen – Oligomenorrhoe (seltene Regelblutung) bis Oligo-Amenorrhoe
  2. Klinischer Hyperandrogenismus (sichtbare Zeichen erhöhter männlicher Hormone) und/oder Hyperandrogenämie
    • Klinische Merkmale eines Hyperandrogenismus wie Hirsutismus, Akne, Seborrhoe (übermäßige Talgproduktion) und/oder
    • Hyperandrogenämie – Gesamttestosteronspiegel > 2,08 nmol/l beziehungsweise Serum-Dehydroepiandrostendion-Sulfat (DHEA-S)-Spiegel > 6,6 µmol/l
  3. Polyzystische Ovarien (Eierstöcke mit vielen kleinen Follikeln) – wenn mindestens ein Ovar (Eierstock) ein Volumen von mindestens 10 ml aufweist und/oder 12 Follikel (Eibläschen) von jeweils 2-9 mm vorliegen oder Messung des Anti-Müller-Hormons (AMH)

Hinweis: Bei Erwachsenen wurde das Anti-Müller-Hormon (AMH) als diagnostische Alternative zur sonographischen Beurteilung (Beurteilung mit Ultraschall) der polyzystischen Ovarmorphologie (Eierstockstruktur mit vielen kleinen Follikeln) ergänzt [LL2].

Formen des PCOS/PMOS

In einer Clusteranalyse (Gruppenanalyse) konnten die Symptome (Beschwerden) von PCOS/PMOS verschiedenen Verlaufsformen zugeordnet werden [2]:

  • Reproduktiver Subtyp (Unterform mit Schwerpunkt auf Fruchtbarkeit und Zyklus)
  • Metabolischer Subtyp (Unterform mit Schwerpunkt auf Stoffwechsel)

Diese Einteilung unterstreicht, dass das Krankheitsbild nicht ausschließlich ovariell zu verstehen ist, sondern reproduktive (fortpflanzungsbezogene), endokrine und metabolische Komponenten (Bestandteile) umfasst.

Epidemiologie

Häufigkeitsgipfel: Das PCOS/PMOS zeigt sich meist ab dem 2. oder 3. Lebensjahrzehnt.

Prävalenz (Krankheitshäufigkeit): Die Erkrankung gehört zu den häufigsten endokrinologischen (hormonellen) und metabolischen Störungen und betrifft etwa 8-13 % aller Frauen im reproduktiven Alter [LL2].

  • 25 % aller Frauen mit sekundärer Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung nach zuvor bestehender Regelblutung)
  • 50 % aller Frauen mit Oligomenorrhoe
  • 50 % aller Frauen mit Hirsutismus

Verlauf und Prognose

Verlauf

PCOS/PMOS ist eine chronische Erkrankung ohne kurative Therapie (heilende Behandlung), aber die Symptome lassen sich in der Regel gut behandeln. Die Erkrankung beginnt häufig in der Pubertät (Geschlechtsreife) oder im frühen Erwachsenenalter und manifestiert sich (zeigt sich) durch unregelmäßige Menstruationszyklen (Monatszyklen), Hirsutismus, Akne und in manchen Fällen Infertilität (Unfruchtbarkeit). Ohne Behandlung kann PCOS/PMOS mit metabolischen Folgeerkrankungen (stoffwechselbezogenen Folgekrankheiten) wie Typ-2-Diabetes (Zuckerkrankheit Typ 2), Hyperlipidämien (erhöhte Blutfettwerte) und kardiovaskulären Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) assoziiert sein [1, LL2, LL3].

Prognose

Eine Heilung des PCOS/PMOS ist zurzeit nicht möglich. Frühzeitige und adäquate Behandlung kann jedoch die Beschwerden lindern und das Risiko für Komplikationen (Folgeprobleme) reduzieren. Die Behandlung umfasst eine Kombination aus Lebensstilinterventionen (Veränderungen der Lebensweise), Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung), hormoneller Therapie (Hormonbehandlung) und fertilitätsmedizinischen Maßnahmen (Maßnahmen der Kinderwunschmedizin) in Abhängigkeit von Beschwerdebild, Kinderwunsch, metabolischem Risiko und Komorbiditäten (Begleiterkrankungen). Komorbiditäten wie Übergewicht, Adipositas (Fettleibigkeit), Insulinresistenz (verminderte Wirkung von Insulin), metabolisches Syndrom (Kombination mehrerer Stoffwechselstörungen), Fettleber, Infertilität, Schwangerschaftskomplikationen (Probleme in der Schwangerschaft) und psychische Erkrankungen (seelische Erkrankungen) müssen ebenfalls berücksichtigt und behandelt werden [1, LL2, LL3].

Komorbiditäten

In der Gruppe der subfertilen (eingeschränkt fruchtbaren) Frauen mit PCOS/PMOS sind Übergewicht und Adipositas häufig [1]. Weitere assoziierte Erkrankungen sind das metabolische Syndrom, die Fettleber (Steatosis hepatis) (Verfettung der Leber), Infertilität, Schwangerschaftskomplikationen wie Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes), Präeklampsie (schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck mit Organbeteiligung) und Frühgeburt, psychische Erkrankungen wie Depressionen (anhaltende Niedergeschlagenheit) und Angststörungen sowie das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (nächtliche Atemaussetzer durch Verengung der oberen Atemwege), insbesondere bei gleichzeitigem Übergewicht beziehungsweise Adipositas [1, LL2, LL3].

Ein relevanter Anteil der Frauen mit PCOS/PMOS weist zudem eine Insulinresistenz auf. Dies stützt die konzeptionelle Einordnung als polyendokrine und metabolische Erkrankung und erklärt die neue Nomenklatur (Bezeichnung) PMOS [1, 3, LL2].

Literatur

  1. Teede H, Deeks A, Moran L: Polycystic ovary syndrome: a complex condition with psychological, reproductive and metabolic manifestations that impacts on health across the lifespan. BMC Med. 2010;8:41. https://doi.org/10.1186/1741-7015-8-41
  2. Dapas M, Lin FTJ, Nadkarni GN, Sisk R, Legro RS, Urbanek M, Hayes MG, Dunaif A: Distinct subtypes of polycystic ovary syndrome with novel genetic associations: An unsupervised, phenotypic clustering analysis. PLoS Med. 2020;17(6):e1003132. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003132
  3. Teede HJ, Bahri Khomami M, Morman R, Laven JSE, Joham AE, Costello MF, et al.: Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process. Lancet. 2026. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00717-8

Leitlinien

  1. Lerchbaum E, Rabe T: Kurzfassung der Endocrine Society Practice Guidelines: Diagnosis and Treatment of Polycystic Ovary Syndrome. J Klin Endokrinol Stoffw. 2014;7(1). http://www.kup.at/kup/pdf/12148.pdf
  2. Teede HJ, Tay CT, Laven JJE, Dokras A, Moran LJ, Piltonen TT, et al.: Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Eur J Endocrinol. 2023;189(2):G43-G64. https://doi.org/10.1093/ejendo/lvad096
  3. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). AWMF-Registernummer 089-004, Stand August 2024. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/089-004