Exogene (äußere) Nagelbildungsstörungen
Durch ein Trauma (Verletzungen) kann es zu einem Nagelbetthämatom – Bluterguss unter dem Nagel – kommen. Der Nagel kann schwarz bis rötlich-braun verfärbt sein. Das Hämatom wächst im Laufe der Zeit zusammen mit dem Nagel heraus.
Weiße Querstreifen auf den Nägeln, die sogenannten Leukonychia striata bzw. Mees-Streifen, können durch Mikrotraumen (kleine Verletzungen) bei kosmetischen Behandlungen entstehen, beispielsweise durch das Entfernen des Nagelhäutchens. Ebenso durch Mikrotraumen ausgelöst kann es zur Ausbildung einer Onychodystrophia canaliformis – mittige Längsfurche im Nagel – kommen.
Insbesondere alte Menschen weisen häufiger sogenannte Krallennägel auf, die ebenso traumatisch bedingt sind und als Onychogrypose bezeichnet werden.
Brüchige Nägel können durch übermäßigen Kontakt mit Nagellackentferner, Spülmitteln oder Waschmitteln entstehen. Ebenso kann ein Vitalstoffmangel (Mikronährstoffe) die Ursache sein oder in seltenen Fällen eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion).
Durch Medikamente kann es ebenso zu Veränderungen der Nägel wie beispielsweise Verfärbungen, Querstreifen oder Rillen kommen.
Folgende Medikamente können unter anderem Auslöser für Nagelveränderungen sein
- Antibiotika
- Anti-Malaria-Mittel wie Chloroquin
- Photosensibilisierende Medikamente
- Retinoide
- Thiole (Schwefelverbindungen)
- Zytostatika
Endogen (innerlich) bedingte Nagelbildungsstörungen
Nagelbildungsstörungen treten in Zusammenhang mit diversen Hauterkrankungen auf, beispielsweise
- Ekzemnägel – bei Ekzemen
- Nagelfalzveränderungen durch Mikroangiopathie (Erkrankung der kleinen Blutgefäße) bei Kollagenosen (Autoimmunerkrankung des Bindegewebes)
- Nageldystrophie – völlig zerstörte Nagelplatte – bei Lichen ruber (Knötchenflechte)
- Nagelverlust bei Erythrodermien (Rötung der gesamten Haut)
Durch Eisen- oder Vitaminmangel kann es zur Bildung von Löffelnägeln kommen. Die Nägel sind konkav gekrümmt, ähnlich einem Löffel.
Uhrglasnägel hingegen entstehen bei Lungenerkrankungen wie Tumoren, Tuberkulose oder Bronchiektasen. Auch im Rahmen einer Anämie (Blutarmut) können Uhrglasnägel auftreten.
Beim sogenannten Yellow-nail-Syndrom sind die Nägel gelblich verfärbt und wachsen deutlich langsamer als normalerweise. Weitere Zeichen des Yellow-nail-Syndroms sind angeborene Hypoplasie (Unterentwicklung) des Lymphgefäßsystems sowie Bronchiektasen mit chronischer Bronchitis.
Bei Patienten mit Niereninsuffizienz kann es zur Ausbildung von Half-and-half-nails, was soviel bedeutet wie Halb-und-halb-Nägel, kommen. Dabei ist die eine Nagelhälfte bräunlich rot verfärbt, wohingegen der Rest des Nagels weiß ist.
Ursachen im Überblick
In der folgenden Tabelle sind die möglichen Ursachen der einzelnen Nagelveränderungen dargestellt.
| Nagelveränderungen | Mögliche Ursachen |
| Uhrglasnägel | Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Bronchialkarzinom, Asbestose, Chronische Bronchitis, COPD, Zystische Fibrose, Leberzirrhose, Angeborene Herzfehler, Endokarditis, Herzklappenfehler |
| Löffelnägel | Eisenmangelanämie, Hämochromatose, Morbus Raynaud, SLE – Systemischer Lupus erythematodes, Traumatische Verletzungen |
| Onycholysis – Ablösen des Nagels vom Nagelbett | Traumatische Verletzung, Psoriasis, Chronische Infektionen, Hyperthyreose, Sarkoidose, Amyloidose, Bindegewebserkrankungen |
| Punktuelle Grübchenbildungen des Nagels | Psoriasis, Morbus Reiter, Alopecia areata |
| Beau-Linien – Querrillen der Nägel | Jede schwere das Nagelwachstum beeinflussende Erkrankung, Morbus Raynaud, Pemphigus, Traumatische Verletzungen |
| Längsverlaufende Streifen bzw. Rillen | Treten normalerweise im Altersprozess auf. Kann aber auch Ausdruck sein von Alopecia areata, Vitiligo, Neurodermitis oder Psoriasis |
| Yellow-nail-Syndrom – gelblich verfärbte Nägel | Lymphödem, Pleuraerguss, Immunschwäche, Bronchiektasen, Sinusitis, Rheumatoide Arthritis, Nephrotisches Syndrom, Thyreoiditis, Tuberkulose, Morbus Raynaud. Gelblich verfärbte Nägel sind auch häufig bei Rauchern, dieses ist dann allerdings nicht dem Yellow-nail-Syndrom zuzuordnen |
| Schwarze Nägel | Traumatisches Hämatom (Bluterguss), Peutz-Jeghers-Syndrom, Vitamin B12-Mangel, nach Bestrahlungen |
| Weiße Nägel | Leberversagen, Leberzirrhose, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, Hyperthyreose, Vitalstoffmangel (Mikronährstoffe) |
| Weiße Querstreifen – Mees-Streifen | Kleine Verletzungen des Nagels, z. B. bei kosmetischen Behandlungen, Arsen-, Thallium- und Kohlenmonoxidvergiftung, Morbus Hodgkin, Herzinsuffizienz, Malaria, Lepra, Chemotherapie |
| Half-and-half-nails – halb bräunlich rot, halb weiß verfärbte Nägel | Spezifisch für Niereninsuffizienz |
| Muehrcke-Linien – weiße Linien, die sich über den ganzen Nagel erstrecken und bei Druck auf den Nagel verschwinden | Spezifisch für Hypoalbuminämie – verminderter Albumin-Blutspiegel |
| Dunkle längs verlaufende Streifen | Normale Variante bei dunkelhäutigen Menschen, tritt bei mehr als 70 % der schwarzen Bevölkerung über 20 Jahren auf. Es kann sich aber auch um ein Malignes Melanom oder gutartigen Nävus handeln |
| Blaue Nägel | Nebenwirkung von Anti-Malaria-Mitteln wie Chloroquin |
| Himmelblaue Lunula – normalerweise hautfreie, weißlich durchscheinende Basis des Nagelbettes | Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit), Silbervergiftung |
| Punktförmige Einblutungen unter die Nägel | Subakute bakterielle Endokarditis, Systemischer Lupus Erythematodes (SLE), Rheumatoide Arthritis, Magengeschwüre, Krebserkrankungen, Gebrauch von Kontrazeptiva, Schwangerschaft, Psoriasis, Traumatische Verletzung |
Biographische Ursachen
- Vererbbare bzw. angeborene Nagelveränderungen sind
- Dystrophia unguium mediana canaliformis
- Pachyonchia congenita
- Sandpapiernägel - Alter – Nagelveränderungen sind im Alter häufiger – z. B. Krallennägel
- Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – Eisen – siehe Mikronährstofftherapie
- Verletzungen des Nagelbettes – z. B. ein Schlag mit dem Hammer
Krankheitsbedingte Ursachen:
Atmungssystem (J00-J99)
- Asbestose – Lungenkrankheit, die zu den sogenannten Pneumokoniosen (Staublungenkrankheiten) gehört
- Bronchialkarzinom (Lungenkrebs)
- Bronchiektasen – sackförmige oder zylindrische Ausweitungen der Atemgangswege (Bronchien)
- chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) – Mischbild aus chronisch-obstruktiver Bronchitis (Entzündung der Lungenbronchien) und Lungenemphysem (abnorme Vermehrung des Luftgehaltes der Lunge)
- Tuberkulose (Schwindsucht)
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Diabetes mellitus
- Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit)
- Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung)
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Ekzeme – Sammelbegriff für verschiedene nicht ansteckende Hauterkrankungen
- Kollagenosen – Sammelbegriff für unterschiedliche chronisch-rheumatische Erkrankungen des Bindegewebes
- Lichen ruber (Knötchenflechte)
- Mykosen (Pilzerkrankungen) – können zur Schädigung der Nagelplatte führen
- Pigmentzellnävus
- Psoriasis (Schuppenflechte) – kann zu einer Erkrankung des Nagelbettes führen
- Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Angeborene Herzfehler
- Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)
- Herzklappenfehler
- Morbus Raynaud – Gefäßerkrankung, die durch anfallsweises Erblassen der Hände oder Füße aufgrund von Vasospasmen (Gefäßkrämpfe) gekennzeichnet ist
- Lepra – chronische Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Mycobacterium leprae ausgelöst wird
- Malaria – Infektionserkrankung, die vorwiegend in tropischen und subtropischen Regionen vorkommt
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Leberversagen
- Leberzirrhose – irreversible Schädigung der Leber und einen ausgeprägten Umbau des Lebergewebes
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Dermatomyositis (DM; Synonym: Lilakrankheit) – idiopathische Myopathie (Muskelerkrankung) bzw. Myositis (Muskelentzündung) mit Hautbeteiligung
- Morbus Reiter ‒ entzündliche Systemerkrankung, die vorwiegend bei jüngeren Männern auftritt und zu Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Urethritis (Harnröhrenentzündung) und Arthritis (Gelenkentzündung) führt
- Rheumatoide Arthritis (Synonym: primär-chronische Polyarthritis, PcP) – chronisch entzündliche Multisystemerkrankung, die sich meist in Form einer Synovialitis – Entzündung der Gelenkinnenhaut, die die Gelenkflüssigkeit produziert – manifestiert
- Sklerodermie – gehört zur Gruppe der autoimmunen Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE) – gehört zur Gruppe der autoimmunen Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48
- Malignes
Melanom (Schwarzer Hautkrebs)
- Morbus Hodgkin – maligne (bösartige) Erkrankung des lymphatischen Systems, die zu den malignen Lymphomen gezählt wird
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Nephrotisches Syndrom – Sammelbegriff für Symptome, die bei verschiedenen Erkrankungen des Glomerulums (Nierenkörperchen) auftreten; Symptome sind: Proteinurie (Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin) mit einem Proteinverlust von mehr als 1g/m²/Körperoberfläche pro Tag; Hypoproteinämie, periphere Ödeme durch eine Hypalbuminämie von < 2,5 g/dl im Serum, Hyperlipoproteinämie (Fettstoffwechselstörung)
- Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) und Urämie (Harnvergiftung; Endstadium des Nierenversagens)
Medikamente
- Antibiotika
- Anti-Malaria-Mittel wie Chloroquin
- Photosensibilisierende Medikamente
- Retinoide
- Thiole
- Zytostatika (Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen)
Röntgenstrahlen
- Bestrahlungen der Hand
Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Arsen
- Kohlenmonoxid
- Thallium











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