Amblyopie (griech.: „stumpfes Auge“) oder Schwachsichtigkeit ist eine funktionelle Störung des Formensinns beziehungsweise Ortssinns.
Nur jedes dritte sehschwache und nur jedes zehnte schielende Kind wird im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung erkannt. Aus diesem Grund ist eine zusätzliche Früherkennung empfehlenswert. Das sogenannte Amblyopie-Screening, durchgeführt von Ihrem Augenarzt, ist eine sinnvolle individuelle Gesundheitsleistung.
In Norddeutschland beträgt die Prävalenz (Häufigkeit einer Krankheit in der Bevölkerung in einem Zeitraum) für Amblyopie (entwicklungsbedingte Schwachsichtigkeit) bei 6-jährigen 5-6 %. Amblyopie kann zu schlechtem Sehvermögen bis hin zur Blindheit führen. Insgesamt ist bei einseitiger Amblyopie im Verlauf die Wahrscheinlichkeit des Sehkraftverlustes des gesunden Auges größer als die des schielenden Auges.
Leitsymptom der Amblyopie ist eine Sehschärfenminderung. Sie ist sowohl Folge von Stimulusdeprivation (Reizbehinderung), als auch von pathologisch binokularer Interaktion (Störung der Zusammenarbeit des Doppelauges, z. B. Schielen). Amblyopien entstehen meist während der frühen sensitiven Phase der Sehentwicklung, in den ersten 3-4 Monaten, umso wichtiger ist eine effektive Früherkennung.
Risikofaktoren
Erbliche Risikofaktoren: Risiko der Heredität (Erblichkeit) für Strabismus (Schielen)/ Amblyopie
- 20 % wenn ein Elternteil schielt und Hyperopie (Weitsichtigkeit) des Kindes ( > 3dpt)
- 50 % wenn beide Elternteile schielen und Hyperopie des Kindes (> 3dpt)
- 10 % wenn beide Elternteile schielen und geringe Hyperopie des Kindes bis 1,5 dpt
- Strabismus (Schielen)
- Anisometropie (ungleiche Refraktion beider Augen)
- Ametropie (Fehlsichtigkeit in Folge eines Brechungsfehlers)
- Lidanomalien/ Trübungen der brechenden Medien
- Tänenwegsstenosen (Verstopfung der Tränenwege)
- Frühgeburt
- Perinatale Komplikationen (Komplikationen zwischen der 24. Schwangerschaftswoche und dem 7. Lebenstag nach der Geburt)
- Familiäre Belastung
Behandlung
- Voll- bzw. Teilzeitokklusion (Verschluss des Führungsauges)
- Penalisation (Herabsetzen der Sehschärfe des sehtüchtigen Auges)
- Atropinisierung (Akkomodationslähmung des gesunden Auges durch Atropintropfen)
- Beseitigung von Sehhindernissen, z. B. Katarakt (Grauer Star)
- Korrektion von Refraktionsanomalien (Brechungsfehler)
Die Amblyopie-Therapie sollte so früh wie möglich beginnen, da die Prognose dann sehr gut ist.
Früherkennung: Zeitpunkt der Vorsorgeuntersuchung
- In der 1. Lebenswoche, bei Lidanomalien (z. B. Verengung der Lidspalte) und Medientrübung (z. B. Trübung des Glaskörpers der Augen und damit Beeinträchtigung des Lichteinfalls)
- Zwischen 6. und 8. Woche, sinnvoll bei allen Kindern
- Mit 6-12 Monaten, zum Ausschluss von Strabismus und Refraktionsanomalien
- Im Alter von 3-4 Jahren, da hier bereits eine Sehschärfenprüfung möglich ist
Umfang der Vorsorgeuntersuchung
- Brücknertest – Durchleuchtungstest nach Brückner
Der Brückner-Test besteht in der Inspektion des Auges bei durchfallendem Licht. Schielt das Auge, so wird selbst bei kleiner Winkelabweichung eines Auges, die Farbe im durchfallenden Licht eine andere sein als auf der Gegenseite, dieser Effekt ist z. B. bei roten Augen auf Blitzlichtfotos gut zu beobachten. - Pupillomotorik und Augenmotoriküberprüfung
Überprüfung des Pupillenreflexes bei Veränderung der Lichtverhältnisse und Kontrolle der Beweglichkeit der Augen - Skiaskopische Messung
Bestimmung der Refraktion d. h. der Brechungskraft des Auges. - Fixationsprüfung am Fundus
Mit Hilfe eines elektrischen Augenspiegels wird ein kleines Objekt, z. B. eine Sternfigur, auf den Augenhintergrund (Fundus) projiziert. Überprüft wird nun, ob der Patient den Stern nach einer Verschiebung zentral am Fundus mit dem Auge fixieren und ihm folgen kann. Bei einer externen (nicht zentralen) Fixation kann ein Strabismus (Schielen) vorliegen. - Morphologischer Überblick
Allgemeiner Überblick über den Zustand des Auges - Visusbestimmung
Bestimmung der Sehschärfe
Ihr Nutzen
Durch die oben genannten Vorsorgemaßnahmen ist es heute möglich, langfristige Behinderungen oder gar den Verlust des Augenlichts bzw. der Sehfähigkeit zu verhindern. Die Lesefähigkeit der Augen zu gewährleisten und damit die Fähigkeit Ausbildung und Beruf zu bewältigen, ist eines der Hauptanliegen der Amblyopie-Früherkennung.












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